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Einkommensunterschiede

Der Preis der Selbstständigkeit

Fast zehn Jahre lang war Martin Berteit Angestellter. Bis er im vergangenen Jahr einen Betrieb übernahm. Hat sich der Schritt für ihn finanziell gelohnt?

Verdienen Selbstständige mehr als Angestellte? Nicht unbedingt, das hat eine Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) gezeigt. Und das zeigt auch die Geschichte von Martin Berteit: Der Installateur- und Heizungsbaumeister arbeitete im Werkskundendienst für einen Badausstatter (wir berichteten). Nach fünf Jahren gründete er einen Betrieb im Nebengewerbe, doch der Spagat kostete den Familienvater zu viel Kraft: Bis zu 60 Stunden Kundendienst pro Woche und am Abend und am Wochenende die eigenen Aufträge.

War einige Male kurz davor, alles hinzuschmeißen:  - Unternehmer Martin Berteit
Unternehmer Martin Berteit
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Vieles wurde schlimmer
Nach etwa zehn Jahren übernahm er ein kleines Unternehmen mit festem Kundenstamm, das jetzt als Röder-Berteit GmbH mit Sitz in Bad Zwischenahn firmiert. Er hoffte, dass es ihm dadurch besser ginge, doch erst einmal wurde vieles noch schlimmer: „Die Belastung war einfach erschlagend“, sagt der 39-Jährige. Er musste mit dem Betrieb umziehen, in die Ausstattung investieren, die Prozesse neu organisieren und war plötzlich für mehrere Mitarbeiter verantwortlich.

Bürokratiekosten und schlechte Zahlungsmoral
Hinzu kam der bürokratische Aufwand: Aufgrund des Umzugs war zum Beispiel eine neue Werkstattabnahme erforderlich, die jede Menge Zeit fraß. „Durch die Umstrukturierungen und Investitionen liefen die Kosten aus dem Ruder“, erzählt Berteit weiter. Zu schaffen machte ihm weiterhin, dass nicht jeder Kunde sofort zahlte. Er habe die großen Bewegungen auf seinem Firmenkonto beobachtet und ein mulmiges Gefühl dabei gehabt.

Seite 2: Und wie sieht es mit dem Verdienst aus?

Etliche Krisenmomente

Wenn wenigstens der Verdienst gestimmt hätte, aber auch das war mitnichten der Fall: Zweimal musste Berteit sein Gehalt nach unten korrigieren und davon zudem noch die Krankenkassenbeiträge von rund 450 Euro im Monat finanzieren. Vorher war er pflichtversichert, hatte ein verlässliches Gehalt und zusätzliches Geld durch das Nebengewerbe. Jetzt schien auf nichts mehr Verlass zu sein. „Es gab etliche Momente, in denen ich kurz davor war, alles hinzuschmeißen und das Hamsterrad zu verlassen.“

Stand heute: Mehr Arbeit, weniger Geld
Martin Berteit schmiss aber nicht hin, sondern biss die Zähne zusammen. „Es ist dann stetig besser geworden“, sagt er heute. Zu Jahresbeginn konnte er sein Gehalt wieder etwas anheben, üppig ist es trotzdem noch nicht: „Ich verdiene mehrere hundert Euro weniger, als ich als Angestellter hatte.“ Und das bei einer wesentlich höheren Arbeitsbelastung: Auf 75 bis 80 Stunden schätzt er sein Pensum, verteilt auf alle sieben Tage der Woche. Einmal ist er im vergangenen Jahr mit Frau und Kindern verreist – für fünf Tage. Zuhause kann er ohnehin nicht abschalten, ständig ruft jemand auf seinem Mobiltelefon an. „Ob es bergauf geht, hängt auch stark von meinen Mitarbeitern ab“, sagt der Unternehmer. „Sie sollen mir in Zukunft noch mehr Aufgaben abnehmen.“

(afu)

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