Elektromeister Thomas Brauns beschäftigt sich seit Jahren mit dem 3D-Druck und hat für besondere Kundenwünsche zwei eigene Drucker angeschafft.
Foto: Martina Jahn

Digitalisierung + IT

3D-Druck im Arbeitsalltag: Lösung für knifflige Fälle

Für spezielle Kundenwünsche entwickelt Elektromeister Thomas Brauns eigene Ideen und setzt sie mit 3D-Druckern um. Mancher Auftrag wäre sonst nicht zustande gekommen.

Auf einen Blick:

  • Eigene Lösungen als Überbrückung für fehlende Teile: Handwerksmeister Thomas Brauns nutzt den 3D-Druck, wenn Kundenwünsche spezieller werden.
  • Der Elektromeister entwickelt eigene Ideen, konstruiert mit einem CAD-System und nutzt eigene Drucker.
  • Noch machen die Aufträge nur einen kleinen Anteil seiner Arbeit aus. Aber die Nachfrage steigt, berichtet der Unternehmer.
  • Kundenwünsche werden immer individueller und anspruchsvoller. Das merkt Thomas Brauns schon seit einiger Zeit. Doch aufgrund von Materialmangel und Lieferengpässen findet der Elektromeister nicht immer passende Angebote auf dem Markt, mit denen er solche Wünsche erfüllen kann. Deswegen entwickelt der Unternehmer aus Bodenfelde eigene Lösungen.

    3D-Druck: Aus Basteleien werden Aufträge

    Privat beschäftigte sich Brauns schon mit dem 3D-Druck, als er hierzulande noch nicht so verbreitet war. Umso mehr er damit experimentierte, desto häufiger stellte er sich die Frage, ob er das nicht auch professionell nutzen kann: „Auf die Idee, Teile selbst herzustellen, kam ich beim Konstruieren von Montageplatten für Gegensprechanlagen“, berichtet Brauns.

    „Einige Teile, die ich beispielsweise für den Bereich Smart Home gern verbaut hätte, gab es einfach nicht auf dem Markt“, erinnert sich der Handwerker. Das seien etwa Konsolen, Gehäuse oder kleine Montageteile gewesen, die ihm fehlten. In einem Autohaus sollte er zum Beispiel ein smartes Beleuchtungssystem nachrüsten. Da die Elektrik für Taster normalerweise unter dem Putz angebracht wird, waren im Handel keine dezenten Über-Putz-Lösungen zu finden.

    „Also habe ich den Unterbau für den Tastsensor selbst konstruiert und auf den Drucker geschickt“, sagt der Meister. So konnte er dem Kunden den Wunsch erfüllen, die Wand nicht aufzubrechen. Den Taster habe er auf dem schmalen Gehäuse an der Wand angebracht, so dass es kaum zu sehen war.

    [Tipp: Suchen Sie Inspiration für die Digitalisierung? Der handwerk.com-Newsletter informiert über neue Entwicklungen und enthält Praxisbeispiele. Jetzt gleich anmelden!]

    Schnelle Lösungen in Eigenregie

    Für die Planung von Elektroanlagen und für Aufträge im Bereich Smart Home nutzt Brauns seit Jahren ein computergestütztes CAD-System. Schon vor Beginn seiner Selbstständigkeit 2005 hat er damit gearbeitet. „Seit den Anfängen des Technischen Zeichnens in der Meisterschule ist mein Interesse stetig gewachsen – und auch meine Erfahrung mit den Konstruktionsprogrammen“, sagt der 59-Jährige Chef der T & T Elektrotechnik GmbH.

    Mittlerweile vergeht fast keine Woche, in der Thomas Brauns seine 3D-Drucker nicht nutzt. In seinem Sechs-Mann-Betrieb ist er zwar bislang der einzige, der das Programm bedient. Doch die Anschaffung habe sich gelohnt. „Da ich meine Ideen selbst ins CAD-System eingeben und gestalten kann, ist das schnell und unkompliziert gemacht“, sagt er. Zudem bereite ihm diese Arbeit großen Spaß.

    Sind die Montageteile am PC fertig konstruiert, schickt er sie über das Firmennetzwerk zum Drucker in den Keller. Von überall kann er die Drucker bedienen und ihren Fortschritt einsehen. Denn neben den Geräten hat Brauns Kameras installiert. Sie liefern Live-Bilder  entweder auf den Büro-Bildschirm oder auf sein Smartphone.

    Wie lange der Druck eines Montageteils dauert, hängt von der Komplexität ab: „Für ein Gehäuse, das als Unterbau für den Taster fungiert, braucht der Drucker etwa sechs Stunden“, berichtet Brauns. Für einen anderen Kunden hat der Handwerker eine Vorrichtung für eine Terrassenbeleuchtung entwickelt. „Ich brauchte davon sechs Stück, jeder Druck hat 36 Stunden gedauert“, erklärt er. Doch weil Brauns während des Druckprozesses andere Aufgaben abarbeiten kann, spiele die Zeit eine untergeordnete Rolle.

    Kunden honorieren seine Ideen

    Bisher seien alle Kunden mit seinen selbst entwickelten Lösungen zufrieden. „In Geschäften oder im Internet würden sie keine so individuellen Teile bekommen, das schätzen sie“, betont Brauns. Zwar mache der Anteil der Aufträge, in denen 3D-Druck zum Einsatz kommt, erst etwa fünf Prozent des Auftragsvolumens aus. Brauns vermutet jedoch, dass es künftig mehr werden: „Der Wunsch nach individuellen Lösungen steigt weiter.“

    Tipp: Sie wollen mehr über Digitalisierung im Handwerk erfahren? Mit dem handwerk.com-Newsletter bleiben Sie auf dem Laufenden. Jetzt anmelden!

    Auch interessant:

    Das könnte Ihnen auch gefallen: