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Foto: Dennis Gauert
Die wirtschaftliche Variante: Mit entschärfter Front bei der Nfz-Variante werden die Kosten für Blessuren geringer gehalten.

Fuhrpark

Doppeltest zum neuen Citroen Berlingo

Bei den kleinen Vans ist der Berlingo von Citroen groß im Kommen. Wir waren mit Pkw und Transporter unterwegs.

  • Ein Transporter mit zwei Gesichtern: Citroen differenziert beim neuen Berlingo deutlich zwischen der Pkw- und der deutlich nüchterneren Transporter-Variante. Das schlägt sich sowohl im Anschaffungspreis als auch in der Versicherungsprämie nieder.
  • Packesel: Knapp über eine Tonne Material und Maschinen nimmt der Franzose bei Bedarf klaglos mit zum Kunden.
  • Viel Licht: Unterwegs gibt sich der von uns gefahrene Transporter beweglich und straff abgestimmt. Dabei bietet das Fahrwerk genug Komfort. Ein serienmäßiger Überladungsschutz hilft zudem Fehler bei der Beladung zu vermeiden.
  • Wenig Schatten: Grund zur Kritik gibt es wenig. Lediglich die Sprachsteuerung pariert nicht jedes Wort mit dem gewünschten Erfolg und auch die nur einstufig regelbare Sitzheizung sorgt in der Praxis eher für einen (zu) heißen Hintern als für wohlige Wärme.

Manchmal verbergen sich hinter zwei Gesichtern ähnliche Charaktere. Beim Citroën Berlingo ist die verspielte Front mit vier Scheinwerfern der Tribut an die Pkw-Designlinie. Die entschärfte Front des Nutzfahrzeugmodells hingegen hält die Reparaturkosten bei einem Schaden im Rahmen und spielt damit auch in die Versicherungsprämie hinein.

Ab 16.500 Euro netto können Sie den Berlingo ohne Klimaanlage, aber mit Fernlichtassistenten ­kaufen – als Kastenwagen in der Länge M. Wer in den Genuss des kräftigen 130-PS-Selbstzünders kommen will, legt knapp 21.000 Euro hin. Bei der M-Variante gehen bereits 3,8 Kubikmeter in den Laderaum des Kompakt-Transporters. Die L2-Variante nimmt mit modularer Trennwand gar 4,4 Kubikmeter auf.

Eine Tonne Zuladung

Die maximale Zuladung des Citroën-Transporters überschreitet knapp die Ein-Tonnen-Grenze. Zur Sicherheit informiert der serienmäßige Überladungsschutz über grobe Fehler. Praktisch ist auch die optio­nale Durchlade, durch die zum Beispiel eine Leiter bequem vom hinteren Abteil bis zum Handschuhfach geschoben werden kann.

Positiv macht sich beim Berlingo das Fahrverhalten bemerkbar. Mit einer gut austarierten Lenkung, die freilich nur leichte Rückmeldung gibt, stellt sich die schnittige Vorderachse willig ein. Insgesamt entsteht der Eindruck eines beweglichen und straffen Alltagsautos, das genug Komfort bietet. Solche Loblieder singt man in dieser Klasse eher selten. Auch die Acht-Gang-Automatik macht in diesem Segment Spaß und arbeitet logisch. Allerdings schluckt die Automatik etwas Leistung und Sprit.

Auch das von uns im Kastenwagen getestete Schaltgetriebe arbeitet präzise und schiebt den Berlingo mit seinen 130 PS ordentlich an. In sechs Gängen synchronisiert, kann der Fahrer die Leistung nach Wunsch abrufen oder zugunsten des Sprit­verbrauchs unter dem Plateau halten. Im unbeladenen Kastenwagen sind dann schon sechs Liter Diesel genug. Da ist der automatisch übersetzte Pkw in unserer bergigen Testregion mit sieben Litern etwas hungriger. Berücksichtigt man das Gewicht und die große Stirnfläche, sind das dennoch gute Werte. Die Bremsen packen kräftig zu, wenn es darauf ankommt. Grenzsituationen verarztet das ESP zuverlässig.

Extras wie im Pkw

In der Aufpreisliste des Pkw findet sich nahezu jedes vorstellbare Extra, das man auch in der Kompaktklasse bekommt – meist zum fairen Preis. Uns gefallen dabei besonders das Head-up-Display, in dem zum Beispiel auch Verkehrsschilder angezeigt werden, und das induktive Ladefeld für das Smartphone. Das zuverlässig arbeitende Navigations­system inklusive DAB-Radio überzeugt ebenfalls. Dazu winken sensorbasierte Systeme zur Verhinderung von Parkremplern, Rückfahrkamera, sogar ein Querverkehrswarner sowie teilautonome Fahrfunktionen.

Die Sprachsteuerung ist jedoch nicht immer der beste Gesprächspartner, wenn es um eigentümliche Namen geht. Etwas aus der Art geschlagen ist auch die einstufige Sitzheizung, die schnell zum Elektrogrill mutiert. Dass Soft-Touch-Oberflächen und minutiöse Verarbeitungsorgien in dieser Klasse ausbleiben, versteht sich von selbst; etwas genauer hätten die Nachbarn es aber anrichten können.

Fazit

Mehr Kritik kann es aber nicht hageln. Der Berlingo ist ein klug entwickeltes Nutzfahrzeug mit Qualitäten beim Fahren, die an einen Pkw erinnern. Was den Nutzen betrifft, hat PSA alle Register gezogen. Wir geben dem Berlingo seinen Stempel als nützlicher und gut zu fahrender Transporter mit allen Extras, die der Nutzer begehrt. Wie günstig der Berlingo wahrgenommen wird, hängt von der Perspektive ab. Wer alle Extras hineinkonfiguriert, gibt ein Vermögen von über 35.000 Euro (Testwagenpreis) aus; für den Fuhrpark ist die mittlere Ausstattungsvariante des Kastenwagens für etwa 21.000 Euro netto hingegen voll im Rahmen – vorausgesetzt das Herz schlägt für den teuersten und stärksten Diesel. Wichtig: Den 130-PS-Diesel gibt es in Verbindung mit dem Automatikgetriebe offiziell nur noch in der XL-Variante.

Betriebskosten

  • Fabrikat/Modell: Citroen Berlingo BlueHDI Worker M erhöhte Nutzlast
  • Laufzeit/Monate: 36
  • Restwert von UPE €: 9.064,40
  • Listenpreis UPE netto €: 21.080,00
  • Kosten pro Monat €: 643,16
  • Kosten je km €: 0,5145
  • Kosten gesamt €: 23.153,73
  • Laufzeit/Monate: 48
  • Restwert von UPE €: 7.932,40
  • Listenpreis UPE netto €: 21.080,00
  • Kosten pro Monat €: 595,02
  • Kosten je km €: 0,4760
  • Kosten gesamt €: 28.561,14

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Minus X: Die Nutzfahrzeug-Version des Berlingo ist nüchtern und funktional gestaltet.
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Kubik satt: Bis zu 4 Kubikmeter gehen in die XL-Variante hinein, unser Testmodell in Größe M (also L1) nimmt 3,8 Kubikmeter auf.
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Großes Herz: Mit dem starken Selbstzünder, der glatte 300 Newtonmeter maximales Drehmoment bereit stellt, mutiert der Berlingo zum Liebling.
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