Sven Sterz wollte die jungen Leute mit einem Video packen und landete einen viralen Hit.
Foto: Glaserei Sterz, Screenshot: handwerk.com

Panorama

Mit Video auf Azubisuche: Glasermeister erreicht Millionen

Eine Glasscherbe zerspringt in tausend Scherben – und 1,7 Millionen Deutsche sehen zu. Sein Video-Aufruf hat Sven Sterz über Nacht berühmt gemacht. Sein wichtigstes Ziel hat er damit auch erreicht: Bewerbungen.

Inhaltsverzeichnis

Auf einen Blick:

  • Sven Sterz sucht zwei Auszubildende für seinen Betrieb. Statt eine Stellenanzeige in einer Zeitung zu schalten, entscheidet er sich für ein Video bei Facebook.
  • Binnen kurzer Zeit geht das Video viral. Bisherige Bilanz: 1,7 Millionen Zugriffe nach nur sechs Tagen.
  • Im Video setzt der Unternehmer diverse finanzielle Anreize für Azubis. Dazu gehört auch eine Bezahlung über der üblichen Ausbildungsvergütung.

Es ist später Freitagabend als Glasermeister Sven Sterz (48) eine Entscheidung trifft. Er will noch einmal bei Facebook posten, dass er zwei neue Azubis für seinen Betrieb sucht. In der Woche zuvor hat er es schon einmal versucht, ohne Erfolg. Deshalb ein neuer Versuch, mit einem selbstgedrehten Video. Darin lässt Sterz eine große Glasscheibe fallen, die geräuschvoll in Tausende Scherben zerspringt. Anschließend dreht sich der Glasermeister Richtung Kamera. „Moin“, begrüßt er die Zuschauer. Dann erklärt er, was er von seinen Azubis fordert und was sie in der Ausbildung in seinem Betrieb erwarten können. Nach einer Minute und 18 Sekunden ist Schluss.

Viraler Hit: Der Facebook-Post in Zahlen

Das kurze Video geht innerhalb von wenigen Tagen viral. „Das ist der Wahnsinn“, sagt der Handwerker aus dem niedersächsischen Langen. Er kann den Erfolg kaum fassen, doch die Zahlen sprechen für sich: Nur sechs Tage nach dem Post zählt das Video mehr als 1,7 Millionen Aufrufe bei Facebook. Weit mehr als 19.000 Nutzer haben es mittlerweile geteilt. Hinzu kommen mehr als 32.000 Likes und Dutzende Kommentare.

Doch nicht nur in den sozialen Netzwerken ist die Bilanz gut. „Mittlerweile haben bei uns schon 17 junge Leute ihre Bewerbungsunterlagen abgegeben“, freut sich Sterz. Nicht per Mail, sondern persönlich. Darauf legt der Unternehmer großen Wert.

Dieses Angebot macht Glasermeister Sterz bei Facebook

Was Sterz sucht, hat er in seinem Video unmissverständlich angesprochen. „Ich habe zwei Ausbildungsplätze zu vergeben“, sagt der Handwerksmeister darin. Was ihn nicht interessiere, seien Herkunft und Schulbildung. Dafür verlangt er von seinen Lehrlingen Zuverlässigkeit. Doch Sterz fordert von den jungen Leuten nicht nur, er will auch etwas zurückgeben. Denn im Video unterbreitet er ein Angebot und lockt vor allem mit diversen finanziellen Anreizen. Er verspricht:

eine Bezahlung, die monatlich 100 Euro über der normalen Ausbildungsvergütung liegt

  • die Übernahme der Fahrtkosten zur Berufsschule
  • seine Azubis finanziell beim Führerschein zu unterstützen
  • 300 Euro Prämie für die bestandene Zwischenprüfung mit der Note "3"
  • 500 Euro für die bestandene Gesellenprüfung mit der Note "3" und
  • das Angebot auf Übernahme in ein unbefristetes Arbeitsverhältnis.

„Voraussetzung ist in jedem Fall ein positiver Verlauf der Ausbildung“, sagt Sterz. Für die Prämien für die bestandene Zwischenprüfung sowie die Gesellenprüfung hat er die Messlatte mit der Note „3“ absichtlich nicht höher gelegt. „Ich will nicht, dass meine Azubis schon mit einer zu großen Belastung in die Ausbildung starten“, sagt der Niedersachse.

Es gibt Dinge, die wichtiger als Noten sind

Viele Arbeitgeber messen Noten eine große Bedeutung zu. Sterz macht das bewusst nicht. „Ich brauche Leute, die mit bloßen Händen arbeiten können“, betont der Unternehmer. Nach Noten frage beim Kundentermin niemand. Wichtig sei hingegen, dass seine Mitarbeiter unfallfrei eine Scheibe austauschen könnten und die Kunden anschließend zufrieden sind“, so Sterz.

Er ist sogar davon überzeugt, dass seine Einstellung zur Bedeutung von Noten der eigentliche Grund für seinen Erfolg ist. „Ich habe mit dem Video einen Nerv getroffen“, meint Sterz. Ein wenig nachgeholfen hat er aber auch. Denn den Post hat er bei Facebook mit insgesamt 18 Euro beworben – relativ wenig Geld für die Stellensuche. „Eine Stellenanzeige in der Zeitung hätte mich bestimmt 400 Euro gekostet“, meint der Glasermeister.

Wie es bei der Glaserei Sterz jetzt weitergeht

Vorstellungsgespräche hat Sterz trotz der vielen Bewerbungen noch nicht absolviert. Noch ist er zu überwältigt von seinem Erfolg. „Ich werde jede einzelne Bewerbung lesen“, verspricht der Unternehmer. Das sei er den jungen Leuten einfach schuldig. Erst danach will er zu Vorstellungsgesprächen einladen und sich dann in Ruhe entscheiden.

Sicher ist aber schon etwas anderes: Sterz will auf Facebook auf jeden Fall berichten wie es bei ihm weitergeht. Nicht am laufenden Band, aber immer mal wieder ein Post.

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