Für Handwerks-Azubis ist ein Praktikum im Ausland eine tolle Erfahrung.
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Personalentwicklung

Auslandspraktika: Für Betriebe und Azubis eine Bereicherung

Ein Auslandspraktikum ist eine Bereicherung für junge Handwerker und für Betriebe. Wie Sie die Planung angehen und wer Sie dabei unterstützt, lesen Sie hier.

Inhaltsverzeichnis

Auf einen Blick:

  • Für fast jede Branche bietet das Mobilitätsprogramm „Erasmus+“ eine Möglichkeit zum Praktikum im Ausland an.
  • Von der Erfahrung profitieren sowohl die jungen Handwerker als auch die Betriebe: Denn die Jugendlichen bringen fachliche und kulturelle Erfahrungen mit nach Hause.
  • Interessierte Betriebe sollten mindestens ein halbes Jahr im Voraus mit der Planung eines Auslandaufenthaltes für ihre Azubis beginnen.
  • Information und Beratung zu Erasmus + bieten die Mobilitätsberater oder Ausbildungsberater der Handwerkskammern an.

Reisen bildet – das gilt auch für Azubis im Handwerk. Das Programm „Erasmus+“ wurde vor einigen Jahren ins Leben gerufen. Angehende Handwerker können in ausländischen Betrieben Arbeitserfahrungen sammeln und lernen zudem die Sprache und Kultur des Austauschlandes. Das Mobilitätsprogramm fördert Praktika im Ausland und wird unter anderem mit EU-Fördergeldern finanziert.

Ein echtes Plus: Erfahrungen sammeln und Persönlichkeit stärken

„Ein Auslandspraktikum ist eine tolle Chance, Azubis für ausländische Märkte fit zu machen“, sagt Martina Sommer, Mobilitätsberaterin der Handwerkskammer Braunschweig-Lüneburg-Stade. Aber nicht nur das: Junge Auszubildende erhalten einen anderen Blick von außen auf ihren Beruf, schauen mal „über den Tellerrand“. Dadurch lernen sie andere Denkansätze kennen und haben einen Vergleich zu ihrer eigenen Arbeit, ergänzt Sommer.

Nicht zuletzt kämen die meisten Azubis persönlich gestärkt aus einem Praktikum im Ausland zurück. Mit Erfahrungen, die sie in ihrem weiteren Berufsleben gut einsetzen können.

„Betriebe, die ihren Azubis eine solche Chance geben, haben auch Wettbewerbsvorteile“, betont Sommer. Denn in Zeiten des Fachkräftemangels könnten Chefs gezielt um Azubis werben, indem sie ein Auslandspraktikum als festen Bestandteil der Ausbildung anführen.

Voraussetzungen für Auslandspraktika

Die Mobilitätsberater oder Ausbildungsberater der Handwerkskammern informieren Betriebe über die Rahmenbedingungen von Auslandsaufenthalten, wie beispielsweise auch Erasmus+. „Grundsätzlich können Azubis aus nahezu jedem Gewerk an dem Austauschprogramm teilnehmen“, sagt Martina Sommer. Die Anforderungen seien nicht hoch und für interessierte Betriebe gut zu schaffen:

  • Bei Antragstellung muss ein Ausbildungsvertrag vorliegen und der Lehrling sollte mindestens im 2. Ausbildungsjahr sein. Aber auch ein Jahr nach dem Abschluss der Gesellenprüfung sei ein Auslandspraktikum noch möglich, sagt Sommer.
  • Zu Beginn des Auslandspraktikums sollte der Azubi volljährig sein.
  • Die Aufenthaltsdauer für das Praktikum variiert von drei Wochen bis zu einem Viertel der gesamten Ausbildungszeit.
  • Der Betrieb in Deutschland stellt seinen Azubi frei und informiert die Berufsgenossenschaft.
  • Der Ausbildungsbetrieb ist immer verpflichtet, den Auslandsaufenthalt der zuständigen Kammer zu melden. Dauert der Aufenthalt länger als vier Wochen, sollte außerdem ein Ausbildungsplan mit der Kammer abgestimmt werden.
  • „Offenheit gegenüber anderen Kulturen und Arbeitsweisen bei Betrieb und Azubi sind wichtige Voraussetzungen“, betont Martina Sommer. Denn in anderen europäischen Ländern wird privat und dienstlich anders mit Mitarbeitern und Aufgabenstellungen umgegangen, weiß die Mobilitätsberaterin.

Planen Sie ausreichend Zeit zur Vorbereitung ein!

Der Abreise-Zeitpunkt der Azubis ins Ausland ist immer individuell und abhängig von Land, Betrieb und Gewerk. Dennoch rät Sommer interessierten Betrieben, rechtzeitig in die Planungen einzusteigen. „Mindestens ein halbes Jahr vor dem gewünschten Termin sollten Betriebe mit der Handwerkskammer Kontakt aufnehmen“, betont sie.

Denn erst nach der ersten Beratung beginnt die Suche nach einem geeigneten Betrieb, nach einer Unterkunft und nicht zuletzt die detaillierte Reiseplanung. Betriebe können sich selbst um einen Austausch-Betrieb kümmern.

In den meisten Fällen unterstützen aber die Handwerkskammern. Denn sie haben in der Regel Kontakt zu Betrieben und kennen sich mit den Gegebenheiten vor Ort aus. Auch die Berufsschulen sind in dem Bereich aktiv und geben ihre Erfahrungen gern weiter.

Azubis, die länger als drei Wochen im Ausland bleiben, können sich – meist online – auf die Sprache des Ziellandes vorbereiten. Viele Lehrlinge besuchen auch nachmittags oder abends eine Sprachschule, wenn sie einen längeren Aufenthalt planen, weiß Sommer.

Austausch: Azubis schicken und ausländische Jugendliche reinschnuppern lassen

Mit Erasmus+ besteht auch die Möglichkeit, einen Auszubildenden aus dem europäischen Ausland als Praktikant im eigenen Betrieb aufzunehmen. Auch in dem Fall vermitteln die Mobilitätsberater Kontakte und unterstützen bei der Planung des Austausches. „Für Betriebe gibt es viele Möglichkeiten. Wir finden auch Lösungen für ausgefallene Gewerke und beachten besondere Wünsche“, betont die Mobilitätsberaterin.

Kosten im Überblick

Die Förderung: Wie hoch der finanzielle Anteil von Seiten des Projekts Erasmus+ ist, hängt von dem Land ab, in dem die Azubis ihre Praktika machen. „Es gibt feste Fördersätze“, sagt Martina Sommer.

  • Reisekosten: Je nach Entfernung werden pauschale Reisekosten übernommen.
  • Aufenthaltskosten: Generell fallen Kosten für die Unterkunft, Verpflegung und Versicherung für den Aufenthalt im Ausland an. Für manche Länder gibt es zudem eine finanzielle Sprachförderung. Wer länger als drei Wochen im Ausland ist, kann sich vorab mit Sprachprogrammen online fortbilden.
  • Wichtig: Mit der finanziellen Förderung im Rahmen des Projekts Erasmus+ sind nicht alle Kosten des Aufenthalts gedeckt, sagt Martina Sommer. Die Fördergelder sollten von den Betrieben eher als Zuschuss angesehen werden.
  • Weitere Kosten: Etwa 150 Euro Eigenanteil pro Woche kommen auf die Betriebe zu. Taschengeld für Einkauf und Freizeit sind darin nicht enthalten. Das müssen die Azubis selbst beisteuern.

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