Bevor Sie zum Hammer greifen, können Sie noch eine Reihe sanfterer Register ziehen.
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Personalführung

Was tun, wenn Mitarbeiter immer zu spät kommen?

Bei ständiger Unpünktlichkeit Ihrer Mitarbeiter müssen Sie handeln. Denn das Zuspätkommen zu Kunden und anderen Terminen wirkt sofort nach außen. Was können Sie tun, damit 8 Uhr auch 8 Uhr ist?

Inhaltsverzeichnis

Auf einen Blick:

  • Unpünktliche Mitarbeiter werden als Teil Ihres Betriebs wahrgenommen. Sie setzen Ihren Firmen-Ruf aufs Spiel, wenn Sie dieses Verhalten durchgehen lassen.
  • Sie können Ihre Leute nur dann zur Pünktlichkeit bewegen, wenn Sie sich selbst an zeitliche Vorgaben halten.
  • Ermitteln Sie durch Anrufe, ob der Kunde zufrieden ist. So können Sie mögliche Termin-Einhaltungsprobleme aufdecken.
  • Hängt die Unpünktlichkeit mit der Arbeitsorganisation zusammen, ändern Sie die Terminplanung.
  • Manchmal hat das Zuspätkommen auch persönliche Gründe. Diese sollten Sie ergründen, um die richtigen Gegenmaßnahmen treffen zu können.
  • Hilft gar nichts, müssen Sie eine Personalentscheidung treffen. Das gilt auch für Geschäftspartner.

Ein Betrieb, dessen Mitarbeiter sehr großzügig mit dem Thema „Zeit“ umgehen, hat ein weitreichendes Problem. Denn es spricht sich schnell herum, dass diese Handwerker unzuverlässig und chaotisch sind. Was Sie als Chef tun können, damit Ihre Leute auf Pünktlichkeit achten, erläutern zwei Führungs-Spezialisten: Unternehmensberaterin Anja Mýrdal aus Scheeßel und der Berliner Business-Coach Thomas Knappe.

Packen Sie sich zunächst an die eigene Nase – wie pünktlich sind Sie?

Einig sind sich beide Experten, dass sich ein Chef, der selbst oft zu spät kommt, mit Pünktlichkeitsforderungen lächerlich macht. Anja Mýrdal: „Der Betriebsinhaber hat ganz klar eine Vorbildfunktion. Es geht also zunächst darum, das eigene Verhalten zu durchleuchten und bei Bedarf zu ändern.“ Denn sonst entstehe der Eindruck, dass Pünktlichkeit im Betrieb unwichtig sei.

Thomas Knappe empfiehlt, die Gesamt-Unpünktlichkeit zu thematisieren, um auf die Negativ-Folgen aufmerksam zu machen. „Führen Sie Ihren Leuten vor Augen, dass alle, einschließlich Ihrer Person, pünktlich sein müssen. Denn das Zuspätkommen ist der Haupt-Kritikpunkt an Handwerksbetrieben.“ Sei ein Auftraggeber verärgert über Unpünktlichkeit, suche er nach weiteren Fehlern. Knappe: „Er will seine Negativ-Sicht bestätigen. Und er findet garantiert ein weiteres Haar in der Suppe.“

Kommen Ihre Leute rechtzeitig? Fassen Sie beim Kunden nach!

Manchmal hoffen Mitarbeiter darauf, dass der Chef nichts von ihrer Unpünktlichkeit bei Auftraggebern mitbekommt. Knappe rät Betriebsleitern dazu, den direkten Kontakt zu Kunden zu suchen, am besten telefonisch. „Ärgert sich der Angerufene über Unpünktlichkeit, werden Sie das auf diesem Wege herausfinden.“ Mýrdal ergänzt: „Wenn Ihre Mitarbeiter wissen, dass Sie nachfragen, dürfte sie das zu mehr Pünktlichkeit anspornen. Sie zeigen dadurch, dass Ihnen ein sauberes Zeitmanagement wichtig ist.“

Überprüfen Sie die Termin-Taktung bei Ihrer Arbeitsplanung

Dauernde Verspätungen können auch organisatorische Gründe haben. „Wenn die Fahrtzeit oder mögliche Verzögerungen bei Projekten falsch berechnet werden, haben die Mitarbeiter keine Chance, rechtzeitig zu kommen“, warnt Knappe. Doch er fügt hinzu, dieses Problem lasse sich durch eine Umstellung der Planung lösen. „Selbst wenn Sie dann weniger Termine pro Tag schaffen, sind alle Beteiligten zufriedener.“ Der Kunde könne sich auf den Betrieb verlassen und die Mitarbeiter hätten weniger Stress.

Persönliche Gründe können vielseitig sein

Das fortdauernde Zuspätkommen kann auch persönliche Ursachen auf Seiten des Mitarbeiters haben. Mýrdal: „Da hilft nur das Gespräch. Denn Sie müssen wissen, woran die Unpünktlichkeit liegt. Nur so treffen Sie anschließend die passenden Gegenmaßnahmen.“ Gehe es um familiäre Probleme wie einen Pflegefall, könne sich der Chef darauf einstellen und den Mitarbeiter unterstützen. „Dann darf er zum Beispiel mal eher nach Hause oder er wird nur bei Terminen eingesetzt, die sich damit vereinbaren lassen.“

Die Unternehmensberaterin wirft ein, manchmal hinge die Unpünktlichkeit auch mit einem Status-Wunsch zusammen. „Wer dauernd zu spät kommt, signalisiert, dass ihm seine eigenen Interessen über alles gehen – und dass er es sich leisten kann, andere zu verärgern.“ Auch Knappe kennt das Phänomen: „Der Zuspätkommende zeigt, dass er selbst über seine Zeit entscheidet.“ Vielleicht fühle sich der Mitarbeiter zu wenig vom Vorgesetzten wertgeschätzt. „Das Zuspätkommen ist eine Art Rache.“

Der Tipp des Führungskräfte-Coachs lautet: „Schenken Sie dem Mitarbeiter mehr positive Aufmerksamkeit.“ Doch das allein würde manchmal auch nicht reichen. „Es kommt auf den Einzelfall an. Möglicherweise wünscht sich das Belegschaftsmitglied auch mehr Eigenverantwortung.“ Je nachdem, was die genaue Ursache sei, müsse die Gegenmaßnahme des Chefs entprechend beschaffen sein.

Wenn nichts hilft, muss das Betriebsmitglied gehen

Beide Führungs-Experten betonen, dass zu irgendeinem Zeitpunkt das Ende der Gedulds-Fahnenstange erreicht sei. „Bleibt der andere trotz verschiedener Versuche bei seinem Verhalten, ist eine Personalentscheidung fällig“, sagt Mýrdal. Knappe: „Der Schaden, den der unpünktliche Mitarbeiter bewirkt, ist oft größer als der, der durch eine Trennung hervorgerufen würde.“ Er räumt ein, schwieriger wäre eine solcher Entschluss natürlich, wenn der Betreffende eine schwer zu ersetzende Fachkraft sei.

Eine ähnliche Konstellation entsteht, wenn der „Zeitsünder“ auf einer Ebene mit der Geschäftsleitung ist. Knappe nennt eine GbR und eine Netzwerk-Partnerschaft als Beispiele. Doch er bleibt bei der Aussage, dass die Trennung trotzdem der bessere Weg sein könne. „Sie haben garantierten Dauerärger, wenn Sie nicht handeln. Denn die Unpünktlichkeit Ihres Geschäftspartners fällt auf Sie zurück.“ Er fügt hinzu: „Lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende.“

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