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Zeit für Plan B

Wie geht es weiter – ohne genügend Fachkräfte?

Trotz aller Anstrengungen: Im Kampf um die Fachkräfte werden viele Betriebe künftig leer ausgehen, sagt handwerk.com-Autor Klaus Steinseifer. Er rät zum Umdenken – und zu einer anderen Strategie.

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Auf einen Blick:

  • Wenn der Fachkräftemarkt ausgereizt ist, ist die Mitarbeitersuche schon fast Glückssache. Viele Betriebe werden leer ausgehen.
  • Eine wirtschaftliche Perspektive ist dennoch möglich: Konsolidierung ist das Ziel. Das bedeutet: (1) mehr Umsatz durch Preissteigerungen, (2) Positionierung durch Spezialisierung und (3) Mitarbeiterbindung durch marktgerechte Entlohnung und gute Führung.

von Klaus Steinseifer

Viele meiner Beraterkolleginnen und -kollegen – und ich gehöre natürlich auch dazu – reden seit vielen Jahren davon, wie wichtig es für die Unternehmen im Handwerk ist, mit ihrem Mitarbeiterimage eine Arbeitgebermarke aufzubauen. Das Ziel: Fachkräfte finden und binden.

Doch wir müssen uns jetzt ehrlich fragen: Ist dieses Ziel überhaupt realistisch? Oder ist das Ende der Fahnenstange erreicht? Und was wäre dann zu tun?

Schauen wir uns die Lage an: Der Fachkräftemarkt ist ausgereizt und die Unternehmen im Handwerk finden nur noch mit ganz viel Glück neue Fachkräfte. Klar, um dem Glück den Weg zu ebnen, müssen die Voraussetzungen stimmen, das Mitarbeiterimage öffentlich und die Arbeitgebermarke erkennbar sein. Doch auch dann werden viele Betriebe leer ausgehen im Kampf um die Fachkräfte.

Konsolidierung wird das Zauberwort der Zukunft sein!

Viele Handwerker denken an die Umsätze, die ihnen entgehen, weil sie nicht genügend Fachkräfte finden. Dabei sind Umsatzsteigerungen auch ohne mehr Mitarbeiter möglich – wenn Sie Ihre Preise endlich anheben und sich aus dem Preiskampf mit Ihren Mitbewerbern verabschieden. Wenn nicht jetzt, wann dann? Es wundert mich, wie immer noch in den einzelnen Handwerksbranchen preislich um Aufträge gekämpft wird. "Hallo, Aufträge sind genügend da!"

Noch leichter können Spezialisten ihren Wunschpreis durchsetzen – und das sogar ganz unabhängig von der Auslastung. Daher fragen Sie sich: Was ist Ihr Spezialgebiet, Ihr Spezialisten-Image, das Sie eindeutig von Ihrem Markt und in Ihrer Region von den anderen Anbietern abhebt?

Mehr verdienen – und teilen!

Nutzen Sie die steigenden Umsätze auch, um Ihre Mitarbeiter zu binden: Bezahlen Sie Ihr Team ordentlich, leistungs- und marktgerecht, damit es nicht in andere Wirtschaftsbereiche abwandert. Ist der gültige Tarifvertrag marktgerecht? Was bezahlt der Mitwettbewerber und was wird in anderen Wirtschaftsbereichen verdient? Wichtige Fragen für Sie! Geld ist und bleibt der wichtigste Motivator.

Wir reden dabei nicht von Peanuts. Gerade hat eine Studie des ifh ergeben: Die im Handwerk beschäftigten Menschen verdienen etwa zwanzig Prozent weniger als im gesamtwirtschaftlichen Durchschnitt. Bei einer Fachkraft sind es im Schnitt 470 Euro pro Monat weniger, bei „herausgehobenen Fachkräften“ sogar 870 Euro weniger.

Dennoch: Ganz ohne Fachkräfte geht es nicht!

Konsolidierung bedeutet jedoch nicht, dass Sie sich überhaupt nicht mehr um Ihr Team kümmern müssen. Im Gegenteil: Pflegen Sie Ihr Team. Nur ein zufriedenes Team schafft die Spezialisierung, Produktivität und Kundenorientierung, mit denen Sie höhere Preise durchsetzen und durchhalten können.

Über Klaus Steinseifer: Zuerst Bankkaufmann und danach Maler- und Lackierermeister. Er übernahm das väterliche Unternehmen. 1989 startete sein Qualifizierungsunternehmen im Handwerk "Die Steinseifer-Seminare". Heute ist er als Seminarleiter, Referent, Berater und Autor im Handwerk und für Ihren unternehmerischen Erfolg zuständig. Seine Leidenschaft ist das Handwerk und als Praktiker weiß er genau, wo Sie der Schuh drückt und wie Sie mit ihm zusammen Ihre Veränderungswünsche Realität werden lassen. Mehr Infos unter www.steinseifer.com

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