Steuernachzahlungen durch Betriebsprüfungen steigen in Kleinstbetrieben.
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Steuernachzahlungen durch Betriebsprüfungen steigen in Kleinstbetrieben.

Steuern

Betriebsprüfung: Nachzahlungen steigen für kleine Betriebe!

Im Corona-Jahr 2020 sanken die Nachzahlungen für Großbetriebe nach Betriebsprüfungen. Bei Kleinstbetrieben stiegen die Lasten hingegen. Woran liegt das?

  • Weniger Betriebsprüfungen durch das Finanzamt in der Corona-Pandemie: 2020 profitierten davon finanziell vor allem Großunternehmen. Für sie sank die durchschnittliche Steuernachzahlung um 22,50 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
  • Für kleine Unternehmen stieg die durchschnittliche finanzielle Belastung hingegen. Vor allem Kleinstbetriebe bekamen das zu spüren: mit einem Plus von 20,44 Prozent.
  • Mit Corona ist der Anstieg in kleineren Betrieben jedoch nicht zu erklären – dafür gibt es andere Gründe.

Durchschnittlich 15,44 Milliarden Euro an Steuernachzahlungen bringen die Betriebsprüfungen der Finanzämter dem Staat jedes Jahr ein. So war es zumindest zwischen 2015 und 2019. Im Corona-Jahr 2020 ist dieses sogenannte Mehrergebnis jedoch stark eingebrochen – auf 11,3 Milliarden Euro.

Als Grund führt das Bundesfinanzministerium (BMF) die Corona-Krise an. Davon haben kleinere Unternehmen jedoch wenig zu spüren bekommen.

Steuernachzahlungen: Großbetriebe zahlen weniger, alle anderen mehr

Im Corona-Jahr 2020 ist das durchschnittliche Mehrergebnis durch Betriebsprüfungen bei Großbetrieben gegenüber dem Vorjahr um 22,5 Prozent gesunken, von rund 298.000 Euro (2019) auf rund 231.000 Euro (2020).

Im gleichen Zeitraum stiegen die durchschnittlichen Steuernachzahlungen je Betrieb in allen anderen Größenklassen deutlich:

  • Mittelbetriebe: + 8,3 Prozent
  • Kleinbetriebe: + 5,3 Prozent
  • Kleinstbetriebe: +20,4 Prozent

Dass das mit Corona wenig bis nichts zu tun hat, zeigt ein Vergleich der letzten fünf Jahre vor der Pandemie: Die durchschnittlichen Steuernachzahlungen der Großbetriebe sanken zwischen 2015 und 2019, während sie bei allen anderen stiegen:

  • Großbetriebe: - 3,1% Prozent
  • Mittelbetriebe: + 8,8 Prozent
  • Kleinbetriebe: + 8,4 Prozent
  • Kleinstbetriebe: + 22,6 Prozent

Zu welcher Gruppe Ihr Unternehmen zählt, hängt von Ihrem Umsatz und Ihrem zu versteuerndem Gewinn ab. Handwerker gelten in der Regel als Fertigungsbetriebe und werden vom Finanzamt so eingruppiert:

  • Kleinstbetriebe sind Unternehmen mit weniger als 44.000 Euro Gewinn oder 210.000 Euro Umsatz.
  • Als Kleinbetrieb gelten Sie ab einem Gewinn von 44.000 Euro Gewinn oder ab einem Umsatz von 210.000 Euro Umsatz.
  • Als Mittelbetrieb werden Sie ab 68.000 Euro Gewinn oder 610.000 Euro Umsatz eingestuft.
  • Einen Großbetrieb mehr führen Sie, wenn Ihr Gewinn über 300.000 Euro liegt oder Ihr Umsatz mehr 5,1 Millionen Euro beträgt.

Mehrbelastungen sind keine Corona-Folge

Woran liegt es, dass kleinere Unternehmen im Durchschnitt seit einigen Jahren immer höhere Steuernachzahlungen nach Betriebsprüfungen leisten müssen?

Steuerberater André Strunz von der Ecovis Steuerberatung in Hannover sieht dafür drei Gründe:

1. Auftragslage: Viele Betriebe hatten in den Jahren vor der Pandemie eine sehr gute Auftragslage und kräftige Zuwächse zu verzeichnen. Für diese Jahre stehen nun die Betriebsprüfungen an. Wenn die Prüfer fündig werden, bestehe eine gewisse Wahrscheinlichkeit, dass die Steuernachzahlungen für solche Jahre höher ausfallen, sagt Strunz. Das gelte besonders für kleine Betriebe, da die Prüfer hier „fast immer“ etwas finden.

2. Digitale Betriebsprüfungen: Zudem bekämen kleinere Betriebe die Folgen der digitalen Betriebsprüfung immer stärker zu spüren, auf die sie nicht so gut vorbereitet sind wie Großunternehmen: Daher kommen die Prüfer Fehlern und Ungereimtheiten leichter auf die Spur. Das macht es ihnen leichter, Umsatz und Gewinn zu schätzen. Eine ähnliche Wirkung können Mängel in der Verfahrensdokumentation haben, wie auch der Einsatz nicht GoBD-konformer Software.

3. Drohung mit Strafanzeige: Zudem drohen Betriebsprüfer nach Strunz‘ Erfahrung immer öfter mit Strafanzeigen wegen Steuerhinterziehung, „als Druckmittel, um Steuerschätzungen durchzusetzen“. Bei juristisch gut beratenen Großbetrieben hätten sie damit wenig Erfolg, doch die Inhaber kleiner Unternehmen ließen sich davon zu schnell beeindrucken.

Besser vorbereitet auf die Betriebsprüfung: Was können Sie tun?

Kleine Handwerksbetriebe sollten vor allem formale Fehler in der digitalen Betriebsprüfung vermeiden:

Und wenn ein Betriebsprüfer mit Strafanzeige droht? Dann sollten Sie zur Schlussbesprechung einen Fachanwalt für Strafrecht mitnehmen. Dessen Anwesenheit hole Betriebsprüfer schnell auf den Boden der Tatsachen zurück, weiß André Strunz.

Betriebsprüfung: Wer wird am häufigsten kontrolliert?

In 2020 ist die Zahl der Unternehmen in Deutschland gegenüber 2019 um rund 184.000 gestiegen. Das entspricht einem Zuwachs von 2,24 Prozent.

Zeitgleich hat das das Finanzamt fast 30.000 Betriebe weniger kontrolliert als im Vorjahr – ein Rückgang von 15,8 Prozent. Dabei gibt es allerdings Unterschiede je nach Unternehmensgröße:

  • So sank Zahl der kontrollierten Großbetriebe um 12,1 Prozent.
  • Bei den Mittelbetrieben gab es rund 15 Prozent weniger Kontrollen.
  • Bei Kleinbetrieben waren es fast 19 Prozent weniger Prüfungen.
  • In Kleinstbetrieben betrug der Rückgang rund 17 Prozent.

Mehr Betriebe einerseits und weniger Betriebsprüfungen andererseits – das bedeutet auch, dass der Anteil der geprüften Betriebe noch stärker gesunken ist: um 17,27 Prozent. Auch hier gibt es Unterschiede in den Größenklassen.

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