Damit Netzwerke funktionieren, müssen sie gut vorbereitet werden.
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Kooperation

So arbeiten Handwerker erfolgreich im Netzwerk

Wer sich an einer Handwerkskooperation beteiligt, kann sehr profitieren. Was dabei zu beachten ist, erklärt Julia Maxi Bauer vom ITB.

Inhaltsverzeichnis

Auf einen Blick:

  • Gründe für Kooperationen im Handwerk können bessere Leistungen für Kunden, gute Einkaufsbedingungen oder Fortbildungen für Mitarbeiter und Azubis sein.
  • Bevor Sie starten, sollten Sie die Ziele des Netzwerks mit Ihren Mitstreitern diskutieren und festlegen.
  • Die Bedingungen, nach denen Sie arbeiten, sollten für alle klar und eindeutig sein.
  • Die wichtigsten Punkte Ihrer Kooperation sollten Sie in einem Kooperationsvertrag festlegen. So vermeiden Sie spätere Auseinandersetzungen.

Kooperation im Handwerk gibt es wohl schon so lange, wie es das Handwerk gibt. Denn immer wieder besteht der Bedarf nach Können oder Wissen, über das man selbst nicht verfügt. Was liegt da näher, als sich mit anderen Handwerkern oder auch Externen zusammenzutun?

6 Gründe für Kooperationen im Handwerk

„Es gibt ganz unterschiedliche Gründe für Kooperationen im Handwerk“, sagt Julia Maxi Bauer, wissenschaftliche Mitarbeiterin am ITB (Institut für Technik der Betriebsführung im Deutschen Handwerksinstitut e.V.). Die wichtigsten seien:

  • Betriebe empfehlen sich gegenseitig. Innerhalb des gleichen Gewerks dient dies in der Regel der besseren Auslastung. Bei spezialisierten Betrieben oder unterschiedlichen Gewerken ist das Ziel eher die Erweiterung der Leistungen.
  • Ein Projekt verlangt unterschiedliche Gewerke. Das Ziel der Kooperation: Der Kunde soll alles aus einer Hand bekommen.
  • Ein Azubi oder ein Mitarbeiter soll in einem anderen Betrieb über den Tellerrand schauen oder Fertigkeiten erlernen, die im Stammbetrieb nicht gelernt werden können.
  • Handwerker aus einem Gewerk schließen sich zu einer Einkaufsgemeinschaft zusammen. Ziel ist es, durch größere Mengenabnahme niedrigere Preise oder bessere Lieferbedingungen zu erreichen.
  • Betriebe nutzen gemeinsam Maschinen, Werkstätten oder einen Fuhrpark, um Kosten zu sparen und die Geräte besser auszulasten.
  • Denkbar sind Kooperationen auch mit Dritten, beispielsweise einem Forschungsinstitut wie dem ITB, um Neuerungen im Betrieb wissenschaftlich begleiten zu lassen.

Auch was die Art der Zusammenarbeit angeht, sind viele Abstufungen denkbar, so Julia Maxi Bauer: „Es reicht von losen Zusammenschlüssen für einen Auftrag über ein ,virtuelles Unternehmen‘, hinter dem sich Betriebe für eine bestimmte Zeit zusammenschließen, aber trotzdem unabhängig bleiben.“ Die enge Kooperation erfolge durch die Gründung eines neuen gemeinsamen Betriebes.

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Doch ob lose oder eng, drei Schritte sollten erfolgen, bevor die eigentliche Arbeit im Netzwerk beginnt.

Schritt 1: Legen Sie die Ziele Ihres Netzwerkes fest

„Die Frage nach dem Ziel eines Netzwerkes sollte unbedingt ausführlich besprochen werden“, sagt Wissenschaftlerin Bauer. Dazu gehöre nicht nur, sich mit den anderen auseinanderzusetzen, sondern sich auch selbst zu fragen: Was erwarte ich von den anderen? Was wird von mir erwartet?

Außerdem: An den Erwartungen bemisst sich das Engagement der Beteiligten. Nur wer etwas herausholen will, investiert etwas.

Wichtige Punkte sind:

  • Was ist das Hauptziel unseres Netzwerkes?
  • Wie treten wir als Verbund gemeinsam auf?
  • Welchen gemeinsamen Qualitätsanspruch haben wir?
  • Welche Aufgaben soll das Netzwerk übernehmen, welche bleiben in den einzelnen Betrieben?
  • Welche Zielgruppen wollen wir ansprechen?
  • Wie können Informationen regelmäßig ausgetauscht werden (persönlich, virtuell)?

„Je klarer diese Dinge geregelt werden, desto weniger Missverständnisse gibt es in der Zusammenarbeit“, so Bauer.

Schritt 2: Klären Sie die Bedingungen für Mitgliedsunternehmen

Wer darf in Ihrem Netzwerk dabei sein, wen brauchen Sie vielleicht nicht unbedingt? Hilfreich ist es bei dieser Frage, eine detaillierte Anforderungsliste für Ihre Mitgliedsunternehmen zu erstellen. Anhand der Liste können Sie über Neuaufnahmen entscheiden – aber auch über Ausschlüsse.

Denn es kann passieren, dass jemand aus dem Netzwerk wieder aussteigen will oder Sie jemanden nicht mehr dabeihaben wollen. „Darauf sollte man vorbereitet sein“, rät Julia Maxi Bauer. Also legen Sie vorab fest, wie ein Ausstieg verlaufen kann und wie die Gründe aussehen, aus denen Sie ein Mitglied ausschließen.

Schritt 3: Schließen Sie vertragliche Regelungen

Je fester Sie Ihren Betrieb mit anderen verweben, desto mehr Dinge müssen vertraglich festgelegt werden. Ganz entscheidend sind sie, wenn Ihr Netzwerk gemeinsame Angebote abgegeben will und auch gemeinsam in die Gewährleistung geht. „Solche Dinge müssen formal geregelt werden“, erklärt Expertin Bauer.

Allerdings empfiehlt das ITB, einen gemeinsamen Kooperationsvertrag erst anzugehen, wenn die ersten Erfahrungen gemacht wurden. Wenn beispielsweise die ersten gemeinsamen Aufträge erledigt wurden. Erst dann wissen die Beteiligten, was wichtig ist und vor allem, was tatsächlich funktioniert. So könnte sich der Vertrag auf die wirklich wesentlichen Punkte beschränken, heißt es in einem Leitfaden des Forschungsinstituts. Diese Punkte sollten enthalten sein:

  • Rechte und Pflichten der Mitgliedsunternehmen
  • Ziele der Kooperation
  • Haftungsfragen
  • gemeinsame Werbung und Akquise
  • Umgang mit Verstößen
  • Regelung für spätere Schadensersatzansprüche

„Beim Abschluss eines Kooperationsvertrages kann es ziemlich zur Sache gehen“, sagt Julia Maxi Bauer. Die Einbindung eines externen Moderators könne dabei sehr hilfreich sein. Denn: „Je genauer man im Vorfeld auch kritische Punkte klärt, desto erfolgreicher kann das Netzwerk sein“, betont die Wissenschaftlerin. Einen Juristen sollten Sie erst hinzuziehen, wenn die Netzwerkpartner den ersten Entwurf abschließend diskutiert haben. „Dafür muss genug Zeit eingeplant werden“, so die Expertin.

Schritt 4: Stellen Sie einen Koordinator ein

Wenn die Zusammenarbeit intensiver wird und sich dauerhaft mehrere Unternehmen zusammenschließen, kann es sinnvoll sein, einen Koordinator einzustellen. „Zu dessen Aufgaben würde dann beispielsweise die Auftragsabwicklung und Akquise gehören“, erläutert Expertin Bauer. Zwar müsse die Kooperation diese zusätzlichen Kosten erwirtschaften. „Aber die Erfahrungen zeigen, dass ein Organisations- und Verkaufstalent an dieser Stelle immer gewinnbringend ist.“

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