Anfahrtskosten müssen den Kunden angekündigt werden, damit sie später problemlos abgerechnet werden können.
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Anfahrtskosten müssen den Kunden angekündigt werden, damit sie später problemlos abgerechnet werden können.

Recht

Anfahrtskosten: Wie viel dürfen Handwerker verlangen?

Die Anfahrtskosten auf Rechnung sind häufig Anlass für Streit mit Kunden. Wie viel dürfen Handwerker ansetzen und welche Möglichkeiten haben sie die Anfahrt abzurechnen?

  • Handwerker müssen Privatkunden bei Vertragsabschluss über die Höhe der Anfahrtskosten informieren, wenn sie diese Kosten abrechnen wollen.
  • Die Anfahrtskosten setzen sich immer aus den Fahrzeugkosten und den Personalkosten zusammen.
  • Die Höhe der Fahrzeugkosten ist vom Fahrzeugtyp und den gefahrenen Kilometern abhängig. Eine Übersicht des ADAC kann bei der Ermittlung der Kosten helfen.
  • Für die Ermittlung der Personalkosten ist relevant, wie viele Mitarbeiter im Auto sitzen und wie lang die Fahrtzeit ist.

Die Höhe der Anfahrtskosten ist ein häufiges Streitthema zwischen Handwerkern und Kunden. Jurist Sören Janke, der bei der Handwerkskammer Braunschweig-Lüneburg-Stade die Abteilung Vertrags- und Handwerksrecht/Sachverständigenwesen leitet, weiß worauf Handwerker achten müssen, wenn sie die An- und Abfahrt in Rechnung stellen.

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Wann dürfen Handwerker Fahrtkosten abrechnen?

Die rechtliche Grundlage für die Abrechnung von Anfahrtskosten ist laut Janke klar. In § 312a BGB heiße es: „Der Unternehmer kann von dem Verbraucher Fracht-, Liefer- oder Versandkosten und sonstige Kosten nur verlangen, soweit er den Verbraucher über diese Kosten (…) informiert hat.“

Folglich könnten Handwerker Privatkunden Anfahrtskosten nur berechnen, wenn sie bei Vertragsabschluss über die Höhe dieser Kosten informiert haben.

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Wie müssen Handwerker über die Fahrkosten informieren?

Laut Janke gibt es keine Formvorschrift, die Handwerker dabei beachten müssen. Allerdings rät er dazu, Verbraucher immer schriftlich auf die Kosten hinzuweisen. So sollten etwa Angebote immer die Position „Anfahrtskosten“ enthalten.

Auch wenn ein Handwerker einen kurzfristigen Auftrag übernimmt, weil zum Beispiel eine Heizung streikt oder ein Sturmschaden an einem Dachen zu reparieren ist, sollte er sich nicht direkt ins Auto setzen. „Wer Verbraucher nur mündlich auf die Anfahrtskosten hinweist, muss darauf vertrauen, dass sie sich später noch daran erinnern können“, sagt der Jurist. Seine Empfehlung: „Bestätigen Sie diese Initiativaufträge mit einer E-Mail und weisen Sie in der E-Mail unbedingt auf die Höhe der vereinbarten Anfahrtskosten hin.“

Tipp: Es kann immer nur die Summe abgerechnet werden, die dem Kunden im Angebot kommuniziert wurde. Laut Janke sollten Betriebe dort deshalb den Betrag angeben, der maximal für die Anfahrt anfallen wird. Schließlich werde sich kaum jemand beschweren, wenn die Anfahrtskosten auf der Rechnung schließlich geringer ausfallen.

Welche Strecken sind für die Berechnung der Anfahrtskosten relevant?

Unter der Anfahrt wird nicht nur Weg zum Kundentermin verstanden. „Die Anfahrt besteht immer aus dem Hin- und Rückweg“, sagt Janke. Für Handwerker bedeutet das, dass sie den Kunden beide Strecken in Rechnung stellen dürfen.

Woraus setzen sich die Fahrtkosten zusammen?

Die Anfahrtskosten setzen sich laut Janke immer aus zwei Kostenblöcken zusammen: den Fahrzeugkosten und den Personalkosten für die eingesetzten Mitarbeiter.

Die Fahrzeugkosten: Betriebe dürfen die laufenden und Anschaffungskosten Kunden anteilig in Rechnung stellen. „Die Höhe der Fahrtkosten hängt immer vom Fahrzeugtyp ab“, erläutert Janke. Bei der Berechnung könne eine Liste des ADAC helfen. Der Automobilclub habe für rund 1.500 gängige Fahrzeugtypen die Kosten pro gefahrenen Kilometer in Cent ermittelt. In dieser Vollkostenkalkulation seien die Spritkosten bereits enthalten.

Beispiel: Bei einem Ford Transit Custom Ford Transit Custom 320 L1J1 2.0 TDCI liegen die Fahrzeugkosten laut ADAC bei 80,6 Cent pro Kilometer. Legt ein Handwerker mit einem solchen Fahrzeug zum Beispiel für Hin- und Rückfahrt zum einem Kundentermin insgesamt 10 Kilometer zurück, betragen die Fahrzeugkosten für diese Fahrt 8,06 Euro (Kosten pro Kilometer x Anzahl der gefahrenen Kilometer = Fahrzeugkosten).

Die Personalkosten: Fahrzeit ist Arbeitszeit. „Deshalb dürfen Betriebe ihren Kunden die Fahrtzeit zum üblichen Stundenlohn in Rechnung stellen“, sagt der Jurist. Abgerechnet werden könnten alle Mitarbeiter, die im Auto sitzen und auf der Baustelle arbeiten.

Beispiel: Die Personalkosten für einen Gesellen liegen in einem Betrieb bei 40 Euro pro Stunde. Braucht ein Geselle für die Anfahrt 15 Minuten betragen die Personalkosten für diese Strecke 10 Euro (Kosten pro Arbeitsstunde X Fahrzeit in Minuten/60 Minuten = Personalkosten).

Dürfen Azubis bei der Berechnung berücksichtigt werden?

Ob Azubis bei der Berechnung der Anfahrtskosten berücksichtigt werden dürfen, lässt sich laut Janke nicht pauschal sagen. „Wenn Lehrlinge produktiv auf der Baustelle mitarbeiten und zur erfolgreichen Abwicklung des Auftrags beitragen, dann dürfen Betriebe die Fahrtzeit für den Azubi abrechnen“, erläutert der Jurist. Reine Ausbildungskosten müssten Kunden allerdings nicht tragen.

Mehr zum Thema Azubi-Stunden auf der Rechnung finden Sie in diesem Beitrag.

Wie sind die Anfahrtskosten bei Touren zu berechnen?

Besucht ein Handwerker auf einer Tour mehrere Kunden nacheinander, dann sind die Anfahrtskosten laut Janke auf die einzelnen Kunden aufzuteilen. Nach Einschätzung des Juristen dürfte eine gleichmäßige Verteilung in den meisten Fällen allerdings nicht zu beanstanden sein, da die meisten Kunden nah beieinander wohnen.

Gibt es auch eine einfachere Form der Abrechnung?

„Die Anfahrtskosten können Handwerker auch als Pauschale abrechnen“, sagt Janke. Eine Pauschalierung mache die Abrechnung deutlich einfacher. Beispielsweise könnten Handwerker um ihren Betrieb herum nach Kilometern gestaffelte Ringe bilden und für die jeweiligen Entfernungen die durchschnittlichen Anfahrtskosten errechnen – zum Beispiel Pauschalen für Anfahrten von bis 5, 10, 20 oder 30 Kilometer.

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