Von Kollegen gemobbt zu werden, ist eine bittere Erfahrung.
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Personal / Psychologie

Bekämpfen Sie Mobbing – aber richtig!

Mobbing kann jeden treffen. Wie erkennen Sie, dass ein Mitarbeiter gemobbt wird und was können Sie tun? Coach Anja Mýrdal weiß Rat.

Inhaltsverzeichnis

Auf einen Blick

  • Achten Sie auf Veränderungen im Team: Schlechte Stimmung und miese Arbeitsleistung können Warnsignale für Mobbing sein.
  • Mobbing hat nichts mit der Unternehmensgröße zu tun. Auch kleine Betriebe sind betroffen.
  • Wenn gemobbt wird, müssen Sie handeln. Sonst verletzen Sie Ihre Fürsorgepflicht.
  • Führen Sie ein klärendes Gespräch mit den Beteiligten. Scheuen Sie sich nicht, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen, wenn Sie sich damit überfordert fühlen.
  • Machen Sie dem Mobber klar, dass Sie sein Verhalten nicht dulden.
  • Beugen Sie vor: In einer guten Kommunikations- und Feedbackkultur haben Mobber keine Chance.

Konflikte gibt es überall. Aber wenn Streitigkeiten im Team ungelöst bleiben, Neid und Missgunst auftauchen, kann es zu Mobbing kommen. Doch woran erkennt man, ob es nur um Klatsch und Tratsch geht oder ein Kollege regelrecht terrorisiert wird?

Klatsch oder Mobbing?

Ein Beispiel: Kollege X kommt unverschuldet zu spät zur Baustelle, alle müssen warten und die verlorene Zeit am Ende des Tages nachholen. Es kommt zu einer laustarken Auseinandersetzung. Das ist zwar unschön, aber kein Mobbing. Anders sieht es aus, wenn deshalb niemand mehr mit ihm spricht, oder ihn grundlos beim Chef anschwärzt. Laut Bundesarbeitsgericht (BAG) ist Mobbing „das systematische Anfeinden, Schikanieren oder Diskriminieren von Arbeitnehmern untereinander oder durch Vorgesetzte“.

Und es geht nicht um ein harmloses Kavaliersdelikt: Mobbing kann ein Straftatbestand sein! Je nachdem, was vorgefallen ist, kann das Opfer den Täter wegen Beleidigung, Verleumdung, Nötigung oder sogar Körperverletzung anzeigen.

5 Warnsignale für Mobbing

Als Chef sind die Anfeindungen nicht immer leicht zu erkennen, aber es gibt klare Warnsignale, sagt Anja Mýrdal, Unternehmerberaterin und Coach aus Scheeßel: „Achten Sie auf Veränderungen im Miteinander und bei der Leistung.“

  • Warnsignal #1: Miese Stimmung. In der Frühstückspause herrscht Schweigen, obwohl es früher immer lustig zuging.
  • Warnsignal #2: Schlechtere Arbeitsleistung. Ein Kollege, der früher immer gut gearbeitet hat, macht plötzlich viele Fehler.
  • Warnsignal #3: Mehr Fehltage. Früher war Ihr Mitarbeiter selten krank, doch seit Neuestem fehlt er immer wieder.
  • Warnsignal #4: Petzen. Eigentlich machen die Kollegen Probleme untereinander aus, doch nun bekommen Sie ständig berichtet, wenn ein bestimmter Kollege etwas falsch macht.
  • Warnsignal #5: Fiese Witze. Eigentlich lacht bei Ihnen jeder über jeden, aber nun werden gemeine Scherze auf Kosten eines Team-Mitglieds gemacht.

Hier können Mobbing-Ursachen liegen

Die Gründe, warum jemand gemobbt wird, sind vielfältig. „Neid und Missgunst können Ursachen sein“, sagt Anja Mýrdal. Hat sich vielleicht jemand bei der Arbeit besonders hervorgetan und viel Lob erhalten? Dann sorgt sich ein Kollege vielleicht darum, seinen Arbeitsplatz zu verlieren oder in den Augen des Chefs schlechter dazustehen. Brauchte ein Kollege mehr Unterstützung vom Chef, vielleicht wegen privater Probleme? Auch das kann Neid auslösen. Oder hat der gemobbte Kollege Eigenschaften oder Vorlieben, die ihn von den anderen unterscheiden? Nicht jeder Mitarbeiter ist tolerant.

Achtung: Auch kleine Unternehmen sind von Mobbing betroffen, sagt Anja Mýrdal: „Letztlich reichen drei Leute.“

Was tun gegen Mobbing?

Wenn Sie den Verdacht haben, dass in Ihrem Betrieb gemobbt wird, müssen Sie handeln. Denn als Arbeitgeber haben Sie eine Fürsorgepflicht dem Opfer gegenüber. Das Betriebsverfassungsgesetz regelt in §75, dass der Arbeitgeber die freie Entfaltung der Persönlichkeit der im Betrieb beschäftigten Arbeitnehmer zu schützen hat.

„Sie müssen klären, worin der Konflikt besteht“, sagt Anja Mýrdal. Wenn zwei Mitarbeiter im Clinch liegen, holen Sie sie zu einer klärenden Aussprache an einen Tisch. „Wenn Sie es sich zutrauen, können Sie als Chef das Gespräch selbst führen“, so Mýrdal. Klären Sie, worin der Auslöser für das Mobbing besteht und wie sie ihn beheben können. Falls Sie in Sorge sind, dass Sie dem nicht gewachsen sind, beauftragen Sie einen Profi. Wichtig: Eine Mediation kann nur Erfolg haben, wenn die Beteiligten zustimmen. Machen Sie dem Mobber klar, dass Sie sein Verhalten nicht dulden. „Man kann zum Beispiel eine Abmahnung androhen, für den Fall, dass sich das Verhalten nicht ändert“, so Mýrdal. Gleichzeitig sollten Sie sich bewusst sein, dass Sie eine Vorbildfunktion haben. „Auf keinen Fall dürfen Sie jetzt gegen den Mobber hetzen oder zulassen, dass andere das tun“, so Mýrdal. Sonst fängt alles von vorn an.

Keinesfalls sollten Sie das Mobbing-Opfer entlassen, nur damit Ruhe ist. „Dann hat der Mobber sein Ziel erreicht und beim nächsten Konflikt wird er genauso agieren“, betont Mýrdal. Ausnahme: Das Opfer will den Betrieb unbedingt verlassen.

Wie beuge ich Mobbing vor?

Die wichtigsten Instrumente gegen Mobbing seien ein klarer Wertekatalog und ein Leitbild, die Sie als Chef vertreten, meint Anja Mýrdal. Wenn Ihnen klar ist, für welche Unternehmenskultur Sie stehen, können Sie sie Ihren Mitarbeitern auch vorleben. Achten Sie bei Einstellungsgesprächen darauf, dass auch neue Kollegen mit diesen Werten etwas anfangen können. „Wenn Sie als Malerbetrieb möglichst nachhaltig arbeiten und wenig Müll produzieren wollen, sollten alle Mitarbeiter sich dem ebenso verpflichtet fühlen“, nennt sie ein Beispiel. Ein Kollege, der schlechte Stimmung macht, weil ihm das zu anstrengend ist, bringt einen Dauerkonflikt ins Team, der zu Mobbing führen kann.

Entwickeln Sie eine Kommunikationskultur. Klären Sie für sich und mit Ihren Mitarbeitern, wie Sie miteinander umgehen wollen. Ein rauer Umgangston ist in Ordnung, wenn sich alle damit wohlfühlen. Ebenso wichtig ist die Frage, wie Sie mit Fehlern umgehen. Wie sieht Ihre Feedback-Kultur aus?

Nehmen Sie sich die Zeit, mit Ihrem Team dieses Leitbild regelmäßig zu überprüfen. „Die Zeit für ein jährliches Strategie-Meeting ist gut investiert“, betont Anja Mýrdal. Der Lohn für einen Tag Austausch sind weniger Konflikte, höhere Zufriedenheit unter den Mitarbeitern und eine höhere Produktivität. Und Mobbing sollte für Sie dann kein Thema mehr sein.

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