Werbefachmann Alf Frommer postete bei Twitter ein Foto, auf dem ein Werbeplakat der Bundeswehr zu sehen ist. Slogan: „Gas, Wasser, Schiessen. Handwerker (M/W/D) gesucht.“
Foto: Gille

Shitstorm in den sozialen Netzwerken

„Gas, Wasser, Schießen“? So wirbt die Bundeswehr um Handwerker!

Die Bundeswehr sucht Fachkräfte: Es geht um rund 1.000 Stellen für Handwerker. Doch über den Werbespruch der Truppe können viele ganz und gar nicht lachen.

Inhaltsverzeichnis

Auf einen Blick:

  • „Gas, Wasser, Schießen“ ist derzeit auf Plakaten zu lesen, mit denen die Bundeswehr um Handwerker wirbt.
  • Die Kritik in den sozialen Medien dreht sich um zwei Punkte: Zum einen sei der Zusammenhang von Gas und Schießen geschichtsvergessen und wecke Assoziationen an den Gaskrieg. Zum anderen werbe die Bundeswehr so auf unsensible Weise Fachkräfte aus dem Handwerk ab.
  • Die Plakate der Bundeswehr finden aber nicht alle schlimm.
  • Das Bundesverteidigungsministerium verteidigt die Werbung im Netz. Mit dem Slogan habe sie lediglich auf einen Spruch der Comicfigur „Werner“ anspielen wollen.

Ebenso wie das Handwerk sucht auch die Bundesregierung händeringend nach Personal. Beim Bund fehlen aber nicht nur Rekruten sondern auch Handwerker – darauf macht die Truppe derzeit mit einer Plakatkampagne aufmerksam. Und die sorgt im Netz für wilde Diskussionen, denn auf einem der Plakate steht: „Gas, Wasser, Schiessen. Handwerker (M/W/D) gesucht.“

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Kritikpunkt # 1: „Peinlich“ und „geschichtsvergessen“

Für Aufsehen sorgt vor allem ein Tweet von Werbefachmann Alf Frommer. Er hat ein Foto bei Twitter geteilt, auf dem eines der Plakate zu sehen ist. „Skandalös“ sei die Kampagne: „Deutsche Uniformträger in Verbindung mit Gas und Schießen. Wer textet sowas… und welcher BW-Verantwortliche hat damit kein Problem?“ Die Werbung sei „im hohen Maße geschichtsvergessen“. Sein Tweet wurde mittlerweile mehr als 850 Mal geteilt und von rund 300 Usern kommentiert.

Auch der Bundestagsabgeordnete Karl Lauterbach stimmt in den Shitstorm ein: „Unglaublich, wie dumm und peinlich die Bundeswehrwerbung schon wieder ist“, kommentiert der SPD-Politiker auf Twitter. Seiner Einschätzung nach liege es auf der Hand, dass sie Assoziationen zum Gaskrieg wecke.

Kritikpunkt # 2: Bund wirbt Fachkräfte aus dem Handwerk ab

Es gibt auch Reaktionen aus dem Handwerk. In den sozialen Netzwerken bezieht zum Beispiel der Fachverband Sanitär-Heizung-Klima Baden-Württemberg Stellung. Er greift die Kampagne der Bundeswehr auf: „Gas, Wasser, Schießen? (...) Wir töten nur die Keime im Trinkwasser!“, heißt es in einem der Posts zum Thema.

Auf der Facebook-Seite des Verbandes diskutieren Handwerker über die Plakatkampagne. Damit habe der Bund „den Vogel abgeschossen“, schreibt etwa SHK-Handwerker Benjamin Schaible aus Reutlingen: Er kritisiert, dass die Bundeswehr ausgebildete Fachkräfte aus dem Handwerk abwirbt.

Das bemängelt auch Joachim Butz: Es sei ein Skandal, dass Handwerksbetriebe „Jahr für Jahr Fachkräfte für öffentliche Arbeitgeber ausbilden ohne dafür einen finanziellen Ausgleich zu erhalten“, schreibt der baden-württembergische Obermeister. Zudem kritisiert Butz „wie schamlos und unsensibel in der Wortwahl nun ganz offen Handwerker von der Bundeswehr abgeworben werden.“

Auch Helmut Bramann, Hauptgeschäftsführer des Zentralverbands Sanitär Heizung Klima (ZVSHK) meldet sich in den sozialen Medien zu Wort. Er wirft die Frage auf: „Stahlhelm, Schlamm, Hierarchie oder Projektverantwortung, Klimaschutz, Berufsperspektive... was klingt besser?“ Und seine Antwort ist klar: „Die Ausbildung zum Anlagenmechaniker verspricht eine glänzende Zukunft, in der Wirtschaft im Handwerk... aber doch nicht bei der Bundeswehr als ‚Schütze-A‘.“

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