Hat seine erste Krise gerade hinter sich - und hat daraus gelernt: Elektrotechnikmeister Muhammed Yel.
Foto: Roger Grabowski
Hat seine erste Krise gerade hinter sich - und hat daraus gelernt: Elektrotechnikmeister Muhammed Yel.

Strategie

Junger Meister: Vorbild aus Überzeugung

Muhammed Yel sieht sich in der Rolle des Vorbilds und will anderen helfen. Auch Rückschläge können ihn davon nicht abbringen.

  • Vorbild zu sein, das hat Muhammed Yel als großer Bruder in seiner Familie früh gelernt – und er hat diese Aufgabe für sich angenommen. Anderen Menschen in ihrem Leben zu helfen, ist ihm ein Anliegen, der eigene Betrieb dafür die Grundlage.
  • Seine engagierte Haltung kommt bei Kunden, Mitarbeitern und Azubis gut an.
  • Einen herben Rückschlag hat Yel Anfang 2021 erlebt und die Verantwortung dafür übernommen. Doch das hält ihn nicht auf: „Ich suche mir nicht immer die leichten Sachen im Leben aus.“

Es läuft für Muhammed Yel: Es gibt viel zu tun, doch der 28-Jährige strahlt auch abends noch, nach einem langen Arbeitstag, wenn er von seinem Team, der Familie und seinen Plänen spricht. Das gehört für den Elektrotechnikmeister alles zusammen: „Meine kleinen Geschwister haben mich immer als Vorbild gesehen. Ich will etwas machen, bei dem ich dieses Vorbild bin und meiner Familie und anderen helfen kann“, sagt der 28-Jährige. Dafür seien der Meisterbrief und die eigene Firma ideal. „Für mich ist es ein schönes Gefühl, nicht nur für mich etwas zu tun, sondern auch für andere.“

Mit 22 Jahren hat Yel die Ausbildung in der Industrie abgeschlossen, anschließend in Vollzeit den Meister gemacht und 2017 seinen Betrieb in Obernkirchen im nördlichen Weserbergland gegründet. Dort installiert und wartet er für Privat- und Gewerbekunden Elektroinstallationen, Telekommunikation und Sicherheitstechnik.

Die Vorteile eines jungen Teams

Sein junges Team komme besonders bei den Gewerbekunden gut an, berichtet Yel. Oft heiße es von denen „mit einer jungen Truppe kann man sehr lange zusammenarbeiten“. Die Altersstruktur in dem Fünf-Mann-Betrieb scheint auch bei der Suche nach Auszubildenden von Vorteil: „Bewerber fragen immer sofort, wie alt ich bin, und so kommt man ins Gespräch“, sagt Yel.

Fünf Jugendliche hätten bei ihm im vergangenen Jahr gern anfangen. Einstellen konnte er nur einen, denn erst einmal müssen seine zwei Brüder im Frühjahr ihre Ausbildung bei ihm abschließen. Der Handwerksmeister ist zuversichtlich: „Am Anfang war es nicht immer leicht. Jetzt haben beide im Vorbereitungsseminar für die Prüfung so gut abgeschnitten, dass ich selbst richtig überrascht war.“ Stolz ist er darauf auch: „Einen Jugendlichen, bei dem es nicht gleich rund läuft, zu einem guten Azubi zu machen, das kann nicht jeder.“

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Auf die Bedürfnisse der Mitarbeiter eingehen

Seine Brüder werden nach der Ausbildung im Betrieb bleiben. Für Yel ist das keine Überraschung: „Es macht einfach Spaß, in so einer jungen Truppe zu arbeiten und nicht nur aus Pflicht um 7 Uhr morgens aufzustehen.“

Dazu trägt die Einstellung des Chefs bei: Anderen zu helfen, bedeute auch auf deren Bedürfnisse einzugehen und Freiräume zu schaffen. Zum Beispiel für den muslimischen Mitarbeiter, der bei seinem vorherigen Arbeitgeber nicht täglich die Moschee zum Gebet besuchen durfte. „Bei uns geht das, wenn ich Arbeit entsprechend organisiere“, sagt Yel.

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Trotz Rückschlag auf Wachstumskurs

Mit den beiden als Brüdern als Gesellen wird der Meister einen Schritt weiter sein auf seinem Weg: ein großer Handwerksbetrieb soll seine kleine Firma eines Tages sein. Yel: „Je größer der Betrieb wird, desto mehr kann man anderen helfen, die Probleme haben, zum Beispiel im Arbeitsleben.“

Probleme hatte der Handwerksmeister Anfang 2021 allerdings selbst erst einmal. Wegen der sehr guten Auftragslage hatte er vier weitere Mitarbeiter eingestellt, doch dann lief alles aus dem Ruder: Baustellen von Bielefeld bis Salzgitter, zu viel Arbeit, zu wenig Überblick – Yel hatte sich übernommen. Baustellen wurden später fertig als geplant, Geld kam langsamer herein als benötigt. „Ich hatte die Kontrolle verloren“, räumt der Handwerker ein. Er gibt sich selbst die Schuld: „Als Chef muss man den Überblick behalten. Die Mitarbeiter können ja nicht immer alles richtig machen.“

Also machte Yel einen Schnitt, trennte sich von den Neueinstellungen, steckte erneut jeden Cent in den Betrieb. Nach einem halben Jahr war die Krise ausgestanden. „Wir sind wieder im Plus, auch weil das Team gute Arbeit leistet und die Kunden sehr schnell zahlen, wenn sie zufrieden sind.“

Sein Ziel, einen großen Handwerksbetrieb aufzubauen, hat Yel nach dem Rückschlag nicht aufgegeben. Das sei nur „eine Erfahrung, die ich machen musste“. Probleme schrecken ihn nicht ab: „Ich suche mir nicht immer die leichten Sachen im Leben aus. Je mehr man investiert, desto mehr Freude hat man daran.“

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