Es gibt verschiedene Nachhaltigkeits-Label im Bekleidungsbereicht: Sie nehmen aber unterschiedliche Aspekte von Nachhaltigkeit in den Fokus.
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Es gibt verschiedene Nachhaltigkeits-Label im Bekleidungsbereicht: Sie nehmen aber unterschiedliche Aspekte von Nachhaltigkeit in den Fokus.

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4 Nachhaltigkeits-Label bei Berufsbekleidung: Was bringen sie?

Fast an jedem Kleidungsstück hängt inzwischen ein Schild, auf dem irgendwas mit Nachhaltigkeit steht. Eine Expertin verrät, was hinter gängigen Labels steckt.

Auf einen Blick:

  • Nachhaltigkeit ist kein feststehender Begriff. Jeder versteht darunter etwas anderes – das gilt auch für die Nachhaltigkeits-Labels im Bekleidungsbereich.
  • Bei den einzelnen Labels stehen mal soziale Aspekte im Fokus wie zum Beispiel beim Siegel der Fair Wear Foundation. Mal geht es vor allem um ökologische Aspekte.
  • Selbst für Bekleidungsprofis ist es schwer, den Überblick zu behalten und die genaue Bedeutung der Hinweise auf der Kleidung zu entschlüsseln. Eine Hilfestellung gibt der Labelchecker.

Neue Arbeitsjacken aus recycelten PET-Flaschen, Shirts aus Tencel oder Workwear mit einem Nachhaltigkeitslabel – die Berufsbekleidungshersteller haben das Thema Nachhaltigkeit für sich entdeckt. Um zu verstehen, was die Labels und Hinweise auf der Kleidung im Einzelfall bedeuten, müssen Handwerker beim Kauf allerdings genau hinsehen. „Selbst für Bekleidungsprofis ist es nicht leicht den Durchblick zu behalten“, sagt Sandra Dusch Silva, Referentin für nachhaltige Lieferketten und Kleidung bei der Christliche Initiative Romero (CIR). Zusammen mit ihren Kollegen vom Labelchecker nimmt sie deshalb regelmäßig Labels im Bekleidungsbereich in punkto Nachhaltigkeit unter die Lupe.

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Was ist Nachhaltigkeit?

Diese Frage lässt sich nicht so einfach beantworten, denn Nachhaltigkeit ist kein feststehender Begriff. „Jeder versteht unter dem Begriff etwas anderes“, erläutert Dusch Silva. Das Team vom Labelchecker achtet auf folgende Dinge:

  1. Soziale Aspekte: „Wir prüfen, ob bestimmte Normen eingehalten werden“, sagt die CIR-Mitarbeiterin. Wichtig sei hier zum Beispiel, ob die Menschenrechte eingehalten werden oder ob die Arbeiter in den Produktionsstätten existenzsichernde Löhne erhalten.
  2. Ökologische Aspekte: Laut Dusch Silva ist hier unter anderem relevant, ob die Hersteller beim Färben auf schädliche Chemikalien verzichten, ob der Wasserverbrauch minimiert und kein genmanipuliertes Saatgut verwendet wird. Eine Rolle spielt auch, wie die verwendete Baumwolle angebaut wurde.
  3. Glaubwürdigkeit: Hier geht es darum, wie transparent die Berichterstattung der Hersteller ist: Legen sie Prüfberichte vor und wie glaubwürdig sind sie hinsichtlich der Einhaltung von sozialen und ökologischen Standards?

Beim Labelchecker schneiden die mehr als 20 überprüften Labels aus dem Bekleidungsbereich ganz unterschiedlich ab. Vier der überprüften Labels kommen laut Dusch Silva auch bei der Berufsbekleidung häufig vor.

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Label 1: Fair Wear

Hinter diesem Label stecke eine Multistakeholder-Initiative – also ein freiwilliger Zusammenschluss von Akteuren, die ein komplexes gesellschaftliches Problem gemeinsam lösen wollen. In diesem Fall ist es eine Stiftung, in der viele Textilunternehmen Mitglied sind.

Die Initiative ist 1999 mit dem Ziel gegründet worden, die Arbeitsbedingungen in den Produktionsländern zu verbessern. „Daher stehen bei Fair Wear soziale Kriterien im Fokus wie zum Beispiel die Zahlung von existenzsichernden Löhnen und sukzessive Lohnerhöhungen“, erläutert Dusch Silva. Ökologische Aspekte hingegen berücksichtige das Label nicht. Auch der Baumwollanbau und die Färbung der Textilien spiele keine Rolle.

Welche Textilunternehmen und Marken bei der Initiative mitmachen, ist auf der Website der Fair Wear Foundation nachzulesen. Darunter sind auch einige Berufsbekleidungshersteller wie zum Beispiel Engelbert Strauss, Schöffel Sportbekleidung und Mascot zu finden.

Label 2: Bluesign

Beim Bluesign-Siegel geht es um ökologische Aspekte. Damit ist es in erster Linie ein Umweltzertifikat. „Hier wird der gesamte Herstellungsprozess betrachtet; beginnend bei der Chemieindustrie werden alle Betriebe entlang der Wertschöpfungskette geprüft“, erläutert Dusch Silva.

Der Referentin zufolge, gebe es bei diesem Label eine umfangreiche Negativliste mit Chemikalien, die bei der Herstellung nicht verwendet werden dürfen. Zudem gebe es auch eine Positivliste, welche Chemikalien im Rahmen des gesamten Produktionsprozesses eingesetzt werden dürfen. Dort seien zum Beispiel fluorfreie wasserabweisende Substanzen gelistet. „Das sind echte Alternativen zu den schädlichen Fluor-Kohlenstoffverbindungen“, sagt Dusch Silva. Der CIR-Mitarbeiterin zufolge machen Fluor-Kohlenstoffverbindungen Textilien wasser- und schmutzabweisend sowie lichtbeständig. Problem: Sie seien schädlich für die Umwelt und gelten zudem als krebserregend.

Label 3: GOTS

GOTS ist eine Abkürzung und steht für Global Organic Textile Standard. Ähnlich wie Bluesign geht es auch bei diesem Label vor allem um ökologische Aspekte, so Dusch Silva. „Im Fokus stehen hier allerdings natürliche Fasern“, erläutert sie.

Der Standard fordere beispielsweise ein Verbot bestimmter Chemikalien und die nachhaltige Nutzung von Wasser. Zudem habe das Label ebenso wie Bluesign eine glaubwürdige Berichterstattung.

Label 4: Fairtrade Textile Standard

Das Fairtrade-Logo ist relativ bekannt, da es auf vielen verpackten Lebensmitteln zu finden ist. Das Label gibt es aber auch im Textilbereich. „Hier geht es sowohl um soziale als auch ökologische Aspekte“ sagt Dusch Silva. Zum Beispiel seien bestimmte Chemikalien bei der Produktion verboten und existenzsichernde Löhne seien explizit gefordert.

Ob es sich bei der verwendeten Baumwolle um ein Bioprodukt handelt, spiele zwar keine Rolle. Aber: Die Bekleidungshersteller würden sich verpflichten fair gehandelte Baumwolle zu verwenden. „Dieses Label nimmt die gesamte Wertschöpfungskette in den Blick, die hergestellten Textilien müssen ab Fabrik und bis Endverkauf vollständig rückverfolgbar sein“, so die CIR-Mitarbeiterin.

Kleidung aus recycelten PET-Flaschen oder Tencel – ist das nachhaltig?

An Kleidungsstücken baumeln nicht nur Siegel, sondern auch andere Hinweise – zum Beispiel, dass ein Produkt aus recycelten PET-Flaschen oder der recyclebaren Cellulose-Faser Tencel produziert wurde. „Der Fokus liegt hier auf dem verwendeten Material“, erläutert Dusch Silva. „Ob bei der Herstellung andere Nachhaltigkeitsaspekte wie Menschenrechte beachtet werden, darüber sagen diese Hinweise nichts aus.“

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