Zwischendurch abkühlen, bevor in der Hitze weitergearbeitet wird? Wenn’s der Chef erlaubt, kann das Teil der Arbeit sein. 
Foto: majivecka - stock.adobe.com
Zwischendurch abkühlen, bevor in der Hitze weitergearbeitet wird? Wenn’s der Chef erlaubt, kann das Teil der Arbeit sein. 

Urteil

Verletzt beim Sprung in den Pool – ist das ein Arbeitsunfall?

Der Chef ordnet eine Pause im Pool an und alle machen mit. Ein Mitarbeiter verletzt sich schwer, doch die Versicherung zahlt nicht. Was sagt das Gericht?

Der Fall: Eigentlich wollte der Chef einer Zimmerei seinen Leuten etwas Gutes tun: Weil vor dem geplanten Betriebsurlaub noch viel Arbeit zu erledigen war und Hitze über 30 Grad herrschte, erlaubte er ihnen am späten Nachmittag eine Abkühlungspause in seinem Pool auf dem Betriebsgelände. Danach sollte die Arbeit fortgesetzt werden.

Arbeitsunfall: Diese 7 Urteile sollten Chefs kennen!

Gegen Arbeitsunfälle sind Mitarbeiter zwar gesetzlich versichert. Doch wann ist es ein Arbeitsunfall? 7 Urteile, die Sie kennen sollten.
Artikel lesen

Einer der Mitarbeiter verletzte sich bei einem Sprung ins Wasser so schwer, dass er reanimiert werden musste und Verletzungen an Kopf und Wirbelsäule erlitt. Die gesetzliche Unfallversicherung lehnte die Anerkennung als Arbeitsunfall und damit die Übernahme der Kosten ab. Das Bad im Pool sei nicht versichert, weil es einem persönlichen Zweck gedient habe. Alle während der Arbeitspause vorgenommenen Verrichtungen aus persönlichen Zwecken seien grundsätzlich privater Natur und daher unversichert. Der Mann klagte.

Das Urteil: Die Richter des Sozialgerichts München gaben dem Kläger Recht. Anders als die gesetzliche Unfallversicherung wertete das Gericht das Baden als Teil der versicherten Tätigkeit. Denn einerseits hatte der Chef ausdrücklich zur Erfrischung im Pool aufgefordert, mit dem Ziel, die Arbeitsfähigkeit für den restlichen Arbeitstag zu erhalten oder wiederherzustellen. Zudem hatten alle Anwesenden beim Baden mitgemacht, der später Verletzte habe sich praktisch nicht entziehen können. Damit lägen besondere Umstände vor, die eine Wertung als betriebsbezogene Tätigkeit rechtfertigen. (Urteil vom 07.03.2023, Az. S 9 U 276/21)

Tipp: Sie wollen keine wichtigen Infos zum Thema Arbeitsrecht verpassen? Dann abonnieren Sie hier den handwerk.com-Newsletter. Jetzt hier anmelden!

Auch interessant:

Hitze auf dem Bau: So schützen Sie Ihre Mitarbeiter

Arbeit auf dem Bau bei mehr als 30 Grad? Das ist nicht angenehm und birgt Risiken. Mit diesen Tipps sorgen Sie für Hitze- und UV-Schutz.
Artikel lesen

Wer haftet, wenn Mitarbeitende Sicherheitsregeln missachten?

Eigentlich wissen alle, dass man sich bei der Arbeit schützen muss. Doch Sicherheitshinweise werden von Mitarbeitenden gern ignoriert. Das kann für den Chef teuer werden.
Artikel lesen

Frustriert von der Mitarbeitersuche?

handwerk.com und die Schlütersche helfen Ihnen Ihre offenen Stellen einfach, zeit- und kostensparend mit den richtigen Kandidaten zu besetzen! Mehr als 500 Betriebe vertrauen uns bei der Mitarbeitersuche!

Jetzt Bewerber finden!

Wir haben noch mehr für Sie!

Praktische Tipps zur Betriebsführung und Erfahrungsberichte von Kollegen gibt es dienstags und donnerstags auch direkt ins Postfach: nützlich, übersichtlich und auf den Punkt.
Melden Sie sich jetzt für unseren Newsletter an - schnell und kostenlos!
Wir geben Ihre Daten nicht an Dritte weiter. Die Übermittlung erfolgt verschlüsselt. Zu statistischen Zwecken führen wir ein anonymisiertes Link-Tracking durch.

Arbeitsrecht

Einstündiger Arztbesuch ist kein Arbeitsunfall

Ein Beschäftigter ging während der Arbeitszeit zum Arzt. Auf dem Rückweg hatte er einen Unfall. Gesetzlich versichert war er dabei nicht, urteilte ein Gericht.

    • Recht, Arbeitsrecht

Arbeitsrecht

Arbeitsunfall oder nicht? Die Details machen den Unterschied

Betrunken gestürzt: Arbeitsunfall. Auf Firmentoilette verunfallt: leider Privatsache. Wir erklären die Feinheiten des Versicherungsschutzes – und worauf es bei der Unfall-Schilderung ankommt.

    • Arbeitsrecht

Recht

Arbeitsunfall: Diese 7 Urteile sollten Chefs kennen!

Gegen Arbeitsunfälle sind Mitarbeiter zwar gesetzlich versichert. Doch wann ist es ein Arbeitsunfall? 7 Urteile, die Sie kennen sollten.

    • Recht

DGUV Unfallstatistik

Gesund durch den Arbeitstag, verletzt durch den Verkehr

Die Deutschen verletzten sich 2017 weniger während ihrer Arbeit. Dafür stieg die Zahl der Wegeunfälle an, meldet die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung.