Christoph und Thomas Tiesmeyer haben ihre Planungstabelle für alle Mitarbeiter sichtbar in die Werkstatt gehängt.
Foto: privat

Praxisstimme

„Die Information der Mitarbeiter steht im Mittelpunkt“

Wer Fachkräfte beschäftigt, will sie halten. Ein Mittel: gut organisierte Arbeit. Der Malerbetrieb Tiesmeyer hat damit positive Erfahrungen gemacht.

Auf einen Blick:

  • Mehr Mitarbeiter und neue Aufgaben – im Malerbetrieb Tiesmeyer wurden neue Arbeitsstrukturen nötig.
  • Eine Mitarbeiterbefragung ergab erste wichtige Punkte.
  • Kommunikation und Planbarkeit ist den Tiesmeyers und ihren Beschäftigten besonders wichtig.
  • Veränderungen müssen gut vorbereitet sein.

Gerade kleine und mittlere Unternehmen haben Schwierigkeiten, neue Fachkräfte zu finden. Ein Grund für Unternehmen, für gute Stimmung in der Belegschaft zu sorgen. Ein wichtiger Punkt: Klare und transparente Arbeitsabläufe. Das haben auch die Tiesmeyers in ihrem Malereibetrieb in Georgsmarienhütte erlebt.

„Unser Unternehmen wurde 1971 von meinem Vater gegründet“, berichtet Thomas Tiesmeyer. Er teilt sich seit 2008 die Führung des Betriebes mit seinem Bruder Christoph. „Meine Eltern haben die Firma in einer klassischen Handwerkerehe geführt.“ Doch der Betrieb wuchs, die Aufgaben wurden komplexer. 16 Mitarbeiter beschäftigt der Familienbetrieb heute.

„Wir brauchten gut organisierte Prozesse“, sagt Thomas Tiesmeyer. Um alle Mitarbeiter einzubeziehen, begannen die Brüder mit einer Befragung. „Wir wollten wissen, wo es am meisten drückt.“ Dabei stellte sich unter anderem heraus: Es gab zu wenig Firmenfahrzeuge. „Weil alle das monierten, haben wir das geändert und ein weiteres Auto angeschafft“, berichtet Tiesmeyer.

Die Planung zog vom Büro in die Werkstatt

Doch es ging nicht nur um Ausstattung, es wurden auch neue Strukturen eingeführt. „Im Mittelpunkt stand die Information der Mitarbeiter“, so Tiesmeyer. Nun gibt es eine monatliche Mitarbeiterbesprechung, in der die Tops und Flops des Monats besprochen, Planungen angepasst, Ideen und Verbesserungsvorschläge diskutiert werden. „Außerdem haben wir die Planung von innen nach außen gedreht“, beschreibt Tiesmeyer. Sie zog vom Büro in die Werkstatt. Dort hängt nun eine riesige Stecktabelle, auf der jeder Mitarbeiter und jedes Projekt verzeichnet sind. Jeder weiß, welcher Baustelle er zugeordnet ist und wer verantwortlich ist. Außerdem ersichtlich: Wer ist wann im Urlaub, wer ist krank. „Am Donnerstag machen wir die Feinplanung für die kommende Woche. So weiß jeder, was ihn erwartet. Falls etwas nicht passt, können wir am Freitag noch Änderungen vornehmen“, erklärt Thomas Tiesmeyer. Verschobene Projekte, die plötzlich aufploppen, oder Urlaubsstau am Jahresende gibt es seitdem nicht mehr.

Doch auch die schnelle Kommunikation ist wichtig für ein Unternehmen, das seine Arbeit auf den verschiedenen Baustellen nicht immer kontinuierlich erledigen kann, sondern auf andere Gewerke warten muss. Und während die Stecktabelle rein händisch funktioniert, sind andere Prozesse wie Angebotserstellung und Arbeitszeiterfassung längst digital. „Derzeit richten wir einen Messenger-Dienst ein, der auch DSGVO-konform ist“, berichtet Tiesmeyer. Für jedes Projekt gibt es dann einen Chatverlauf, in dem alles gespeichert wird.

Digitalisierung verschiebt Hierarchien

Die Mitarbeiter seien offen für die Veränderungen. „Man muss allerdings darauf achten, dass sich gerade bei digitalen Neuerungen die Hierarchien verschieben“, sagt Tiesmeyer. „Plötzlich sind die erfahrenen Mitarbeiter eher unsicher, während die jungen mit Smartphones ganz selbstverständlich umgehen und die Experten sind.“ Ganz bewusst setzen die Tiesmeyers deshalb auf altersgemischte Teams.

Und welche Tipps haben die Malermeister für andere, die ihre Arbeitsabläufe ändern wollen? „Man muss gut vorbereitet sein“, betont Thomas Tiesmeyer. „Wenn Dinge unklar sind oder man selbst nicht genau weiß, wohin man will, fliegt es einem um die Ohren.“ Es lohne sich außerdem, in die Kommunikation zu investieren. „Die Mitarbeiter sind dann offener und interessierter, neue Dinge mitzumachen“, ist seine Erfahrung. „Sie identifizieren sich mehr mit den Projekten. Und die Stimmung ist im Unternehmen noch besser“, so Tiesmeyer.

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