Eine zweite Niederlassung sollte nicht zu weit vom ersten Standort entfernt sein.
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Strategie

Zweiten Standort eröffnen: Was müssen Sie bedenken?

Platzmangel, neue Kunden und Märkte finden, Wachstum: Es gibt viele Gründe für einen zweiten Standort. Doch vor der Investition kommt die Planung!

Inhaltsverzeichnis

Auf einen Blick:

  • Prüfen Sie die Bedingungen am möglichen neuen Standort gründlich.
  • Ihre Zusatz-Niederlassung sollte gut erreichbar und in Kundennähe sein. Wichtig ist auch das Umfeld.
  • Gute Lager- und Parkmöglichkeiten sind die Basis für Ihre Logistik.
  • Klären Sie, ob ein Neubau, ein Gebäudekauf oder ein Umbau vorhandener Räumlichkeiten sinnvoll ist.
  • Die Mitarbeiter sind Dreh- und Angelpunkt Ihres Erfolgs. An beiden Standorten müssen gute Leute sein.

Wer einen zweiten Standort für seinen Betrieb gründen will, hat viel vor. Große Pläne gehen oft mit einem Gefühl von Zuversicht einher. Das trübt leicht den Blick für die Schwierigkeiten, die mit einer Zweitniederlassung verbunden sind. Sie müssen dabei mehr als nur Ihre Betriebsabläufe auf zwei Standorte ausrichten. Unternehmensberater und Coach Jürgen Schimmel nennt weitere Kriterien, die Sie vorab klären sollten. Und er gibt Tipps, welche Fußangeln lauern können.

Die richtige Lage: Wo soll es hingehen?

Die Merkmale Ihres Zusatz-Standorts hängen individuell mit Ihrem Betrieb zusammen, betont Jürgen Schimmel. „Wenn Sie überwiegend Privatkunden haben, ist der Sitz in einem abgelegenen Industriegebiet eine schlechte Wahl.“ Weite Anfahrtswege zu Auftraggebern führen zu höheren Kosten. Das spielt im Übrigen auch in ländlichen Gegenden eine Rolle.

Ebenfalls oft wichtig sind Park- und Lagermöglichkeiten. „Ihre Logistik muss gut regelbar sein“, sagt er. Schimmel empfiehlt, auch nach anderen Betrieben in der näheren Umgebung zu recherchieren. „Wenn der Platzhirsch in Ihrer Branche direkt nebenan residiert, ist das ungünstig für Sie.“

Andererseits, so betont der Business-Coach, können sich auch nützliche Synergien mit anderen Handwerksbetrieben ergeben. „Das fängt an bei gemeinsamer Parkplatz- oder Lagernutzung und geht über Netzwerkbildung hin zu Marketing-Maßnahmen.“

Der Vertrag: Kauf, Miete oder Pacht – Fragen rund ums Gebäude

Betriebswirtschaftlich durchrechnen sollten Sie verschiedene Varianten für den Zusatz-Firmensitz. „Manchmal sind Miete oder Pacht günstiger, weil sie das Budget nicht so belasten.“ Auch Unsicherheiten, ob sich der neue Standort lohnt, machen solche Vertragsverhältnisse attraktiv. „Wenn Sie ein Gebäude kaufen, sind Sie erst mal festgelegt“, warnt Schimmel.

Gute Mitarbeiter sind an jedem Standort nötig

Überlegen Sie, ob Sie eine Wohnung an den neuen Betrieb angliedern oder in unmittelbarer Nähe mieten wollen. Schimmel: „Das ist dann wichtig, wenn Sie Mitarbeiter aus dem Hauptstandort dauerhaft oder vorübergehend unterbringen müssen.“

Ein typischer Fehler mancher Betriebschefs besteht in einer übereilten Personalauswahl am zweiten Standort. Schimmel kann zwar nachvollziehen, dass es in der neuen Filiale möglichst schnell mit Aufträgen losgehen soll. „Doch Sie ruinieren sich Ihren Ruf, wenn Sie aus Zeitnot heraus unzuverlässige, schlecht qualifizierte Leute einstellen.“ Gerade dann, wenn Kunden am neuen Standort erst noch gewonnen und gehalten werden müssen, ist eine Top-Leistung mit bestem Service erforderlich.

Sollen vorhandene Mitarbeiter zu einem neuen, weiter entfernten Standort wechseln, müssen Sie genau darauf achten, dass deren Bedürfnisse dabei ausreichend berücksichtigt werden. „Sprechen Sie über die Lebenssituation, die Wünsche und die Erwartungen der Betroffenen. Auch deren Familie muss mit einem Umzug einverstanden sein.“ Denn sonst laufen Ihnen die Leute nach kurzer Zeit wieder weg und suchen sich einen Job in der alten Heimat.

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