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Recht

Bei Hitze auf dem Bau arbeiten: Das gilt rechtlich

Ein Recht auf Hitzefrei gibt es auf dem Bau nicht. Arbeitgeber haben bei hohen Temperaturen aber Pflichten – und dürfen die Arbeitszeiten anpassen.

Inhaltsverzeichnis

  • Auf dem Bau gibt es keine Temperaturobergrenze, bei der Handwerker die Arbeit auf der Baustelle einfach einstellen dürfen.
  • Arbeitgeber müssen allerdings die Vorgaben des Arbeitsschutzgesetzes einhalten. Allerdings ist das recht schwammig formuliert. Was Arbeitgeber zum Schutz ihrer Mitarbeiter genau tun müssen, ist einer Juristin zufolge im Einzelfall abzuwägen.
  • Arbeitsrechtlich haben Arbeitgeber aber unterschiedliche Möglichkeiten, die Arbeitszeiten der Witterung anzupassen.

Die Temperaturen übersteigen diese Woche vielerorts die 30-Grad-Marke. Wer kann, flüchtet ins Schwimmbad oder bleibt in klimatisierten Räumen. Und in der Schule gibt es Hitzefrei. Doch was gilt auf dem Bau? Die Antworten auf die wichtigsten Arbeitgeber-Fragen kennt Kathrin Schulze Zumkley, Fachanwältin für Arbeitsrecht und Mitglied der Arbeitsgemeinschaft Arbeitsrecht im Deutschen Anwaltverein.

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Gibt es eine Temperatur-Obergrenze?

Bei mehr als 35 Grad sind Büros laut den technischen Regeln für Arbeitsstätten ohne Abhilfemaßnahmen nicht mehr als Arbeitsraum geeignet, so Rechtsanwältin Kathrin Schulze Zumkley. Diese Temperaturen werden im Freien schnell überschritten. Handwerker auf der Baustelle haben deshalb aber keinen Anspruch auf Hitzefrei.

„Es gibt keine absolute Temperaturobergrenze, bei der die Arbeit im Freien eingestellt werden darf“, erläutert die Arbeitsrechtlerin. Das bedeute allerdings nicht, dass sich Betriebe bei großer Hitze um nichts kümmern müssten. „Sie müssen sich an die Vorgaben des Arbeitsschutzgesetzes halten“, so Schulze Zumkley.

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Was schreibt das Arbeitsschutzgesetz bei hohen Temperaturen vor?

Das Arbeitsschutzgesetz schreibt vor, dass Arbeitgeber die Arbeit so gestalten müssen, „dass eine Gefährdung für das Leben (…) möglichst vermieden und die verbleibende Gefährdung möglichst gering gehalten“ wird. Bei den Maßnahmen sind laut Paragraf 4 unter anderem der Stand der Technik sowie „gesicherte arbeitswissenschaftliche Erkenntnisse“ zu berücksichtigen.

„Die Formulierungen im Arbeitsschutzgesetz sind recht schwammig“, meint Arbeitsrechtlerin Kathrin Schulze Zumkley. Konkret wären zum Beispiel Schattenspender auf der Baustelle sowie kostenlose Sonnencreme, Wasser und Sonnenbrillen für Mitarbeiter mögliche Maßnahmen. Doch was muss davon sein?

„Das ist im Einzelfall abzuwägen“, sagt die Juristin. „Handlungsbedarf besteht, wenn eine Gesundheitsgefährdung vorliegt. Welche Handlung erforderlich ist, hängt von der Gefährdung ab.“ Schließlich seien das Risiko von Hitzschlag und Sonnenbrand bei hohen Temperaturen ernstzunehmende Gefahren. Um diesen Gefahren entgegenzutreten, müssten Arbeitgeber zumindest Schutzmaßnahmen – wie die Bereitstellung von Wasser und Sonnencreme – ergreifen.

Und wie sieht es mit technischem Sonnenschutz aus? „Die Baustelle bei einem Einfamilienhaus muss in der Regel nicht kurzfristig mit einem teuren Sonnensegel komplett eingefasst werden“, sagt Schulze Zumkley. Das würde in den meisten Fällen die Verhältnismäßigkeit sprengen. Den Mitarbeitern zum Schutz einen Sonnenschirm mit auf die Baustelle zu geben, könne Betrieben je nach Situation aber durchaus zugemutet werden.

Die Juristin rät Arbeitgebern bei der Auswahl der Maßnahmen: „Überlegen Sie sich, wie hoch der Aufwand und die Kosten im Verhältnis zur Gefahr sind“. Sie gibt zu bedenken, dass der Erhalt der Leistungsfähigkeit der Mitarbeiter eines der vornehmlichen Interessen des Unternehmens sei.

Dürfen Mitarbeiter wegen Hitze eigenmächtig die Baustelle verlassen?

Draußen bei hohen Temperaturen körperlich zu arbeiten, ist nicht angenehm. „Arbeitnehmer dürfen aber nicht einfach nach Hause gehen, wenn ihnen zu heiß ist“, sagt Juristin Kathrin Schulze Zumkley. Anders sehe es aus, wenn Mitarbeiter arbeitsunfähig sind. „Bei Arbeitsunfähigkeit gelten stets die gleichen Regeln, egal ob sie auf einer Erkältung basiert oder Folge großer Hitze und Überanstrengung ist“, so die Rechtsanwältin.

Das Risiko, dass sich Mitarbeiter bei hohen Temperaturen krank melden, können Arbeitgeber nach Einschätzung der Juristin aber minimieren. Und zwar, indem sie Erleichterungen für die Belegschaft schaffen.

In der Regel ja, meint Rechtsanwältin Manuela Beck. Es komme aber auf den Einzelfall an.
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