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Ein Mann ist bei einer Videokonferenz auf einem Tablet zu sehen.

10 Antworten

Online-Bewerbungsgespräche: Was Arbeitgeber wissen müssen

Sie sind trotz Corona-Krise auf der Suche nach neuen Mitarbeitern oder Azubis? Dann können Online-Bewerbungsgespräche eine Option sein. So funktionieren sie!

Auf einen Blick:

  • Mit Hilfe von Online-Bewerbungsgesprächen können Betriebe kurzfristig Bewerber kennenlernen. Allerdings bedürfen die virtuellen Gespräche einer guten Vorbereitung.
  • So brauchen Betriebe ein geeignetes Tool. Außerdem müssen sie die Bewerber vor dem Start des Gesprächs mit Infos versorgen.
  • Unterhaltungen am Bildschirm sind anstrengender als persönliche Gespräche. Trotzdem sollten Betriebe darauf achten, dass sie dabei ihr Ziel erreichen: herausfinden, ob ein Bewerber für die ausgeschriebene Stelle in Frage kommt.
  • Virtuelle Gespräche haben auch Nachteile: Dazu gehört, dass das Kennenlernen nur in reduzierter Form möglich ist und dass handwerkliche Arbeitsproben virtuell kaum machbar sind.

Online-Bewerbungsgespräche liegen derzeit wegen der Corona-Pandemie im Trend. „Das ist unkomplizierter, freundlicher und sicherer, weil die Gespräche ganz ohne Maske stattfinden können“, sagt Recruiting-Experte und Persoblogger Stefan Scheller, der bei der Datev das Personalmarketing verantwortet. Hier antwortet er auf die 10 wichtigsten Arbeitgeberfragen zu virtuellen Gesprächen mit Bewerben.

#1: Welche Vorteile haben Online-Bewerbungsgespräche?

„Online-Bewerbungsgespräche sind spontaner und können meist kurzfristig angesetzt werden“, sagt Scheller. Zudem können auch der Aufwand und die Kosten reduziert werden, wenn Bewerber nicht von weiter weg anreisen müssen.

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#2: Digitales Bewerbungsgespräch: Wie bereiten sich Betriebe vor?

Bevor Betriebe Online-Bewerbungsgespräche anbieten können, müssen sie sich dafür die technischen Voraussetzungen schaffen. „Sonst gelingt es Betrieben nicht, einen guten Eindruck zu machen“, betont Scheller. Zur Vorbereitung gehöre daher die Auswahl eines geeigneten Programms. Wichtig sei auch, eine gute Sprachqualität sicherzustellen und die gesamte Technik vorab zu testen.

Darüber hinaus müssen sich Handwerksunternehmer vorbereiten wie bei jedem anderen Vorstellungsgespräch auch. Dafür hat der Persoblogger einen Tipp: „Erarbeiten Sie eine Struktur, mit der Sie systematisch und zielgerichtet Fragen stellen können.“

#3: Was ist das richtige Tool?

Wer seinen Bewerbern während des Bewerbungsgesprächs den Betrieb durch einen Rundgang zeigen möchte, sollte laut Scheller ein Tool nutzen, dass für den mobilen Gebrauch geeignet ist – zum Beispiel Facetime oder auch Whatsapp. Ansonsten rät er zu echten Video-Tools wie Adobe Connect, Meet von Google, Microsoft Teams oder Zoom.

Eine eindeutige Empfehlung hat Scheller nicht, aber einen Tipp für die Auswahl. „Wichtig ist, dass das Tool in Ihrem Betrieb gut läuft und dass Sie damit gut zurechtkommen.“ Zudem rät er, auf den Datenschutz zu achten. „Es gibt Unternehmen, die beispielsweise den Einsatz von Zoom oder Whatsapp wegen datenschutzrechtlicher Bedenken untersagen“, erläutert der Persoblogger.

#4: Welche Infos brauchen Bewerber vor dem virtuellen Gespräch?

Vor dem Start des Gesprächs brauchen Bewerber einige Informationen. Dazu gehören für Scheller:

  • die Zugangsdaten zum Online-Vorstellungsgespräch,
  • eine Anleitung, wie das Tool funktioniert und
  • wie der Betrieb bei technischen Problemen unterstützt.

Sein Tipp: Bieten Sie Bewerbern an, dass Sie vor dem Start des Online-Bewerbungsgesprächs telefonisch für Sie erreichbar sind. „Damit bauen Sie Vertrauen auf und geben den Bewerbern Sicherheit“, sagt der Persoblogger.

#5: Wo ist der beste Ort für ein Online-Bewerbungsgespräch

Ein No-Go ist für Scheller ein virtueller Hintergrund: „Dann können sich die Bewerber überhaupt keinen Eindruck vom Arbeitsplatz verschaffen“, betont der Persoblogger. Stattdessen rät er Handwerksunternehmern, für das Gespräch beispielsweise das Büro oder auch die Werkstatt zu nehmen, sofern dort eine ungestörte Unterhaltung möglich ist.

#6: Wie gelingt es Betrieben online einen guten Eindruck zu machen?

Im Bewerbungsgespräch ist es nach Einschätzung von Stefan Scheller besonders wichtig, dass Arbeitgeber möglichst authentisch rüber kommen. „Täuschen Sie nichts vor, was Sie persönlich später nicht halten können“, rät er. Wer sonst tough sei, dürfe das auch im Gespräch mit dem Bewerber sein und müsse nicht besonders lieb und freundlich sein. Schließlich gehe es darum, einander kennenzulernen. „Beide Seiten müssen für sich herausfinden, ob sie sich vorstellen können, miteinander zu arbeiten“, sagt Scheller.

#7: Was ist das richtige Outfit?

Bei der Wahl des richtigen Outfits empfiehlt Scheller so wenig Show wie möglich. „Treten Sie möglichst genauso auf wie sonst auch und verkleiden Sie sich nicht“, sagt er. Wer im Arbeitsalltag im Blaumann rumläuft, dürfe ihn auch beim Bewerbungsgespräch tragen.

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#8: Wer kontaktiert wen beim Online-Bewerbungsgespräch?

Vor einem Bewerbungsgespräch sind die meisten Bewerber ohnehin schon nervös. Scheller rät Betrieben deshalb, beim Online-Vorstellungsgespräch den Kontakt aufzubauen und das nicht den Bewerbern aufzubürden. „So vermeiden Sie zusätzliche Aufregung für die Kandidaten“, sagt der Recruiter.

#9: Wie lange sollte ein Bewerbungsgespräch am PC dauern

Die Zeit am Bildschirm empfinden die meisten Menschen laut Scheller länger und auch anstrengender als bei einem normalen Gespräch. Dennoch rät der Persoblogger Handwerksunternehmern, sich für das Online-Bewerbungsgespräch die Zeit zu nehmen, die sie brauchen. „Wichtig ist, dass Sie beim Bewerbungsgespräch herausfinden, ob der Kandidat als Mitarbeiter für Sie in Frage kommt“, sagt er.

Damit die Zeit am Bildschirm nicht allzu lang erscheint, hat Scheller einen Tipp: „Sie können auch beim Online-Vorstellungsgespräch kleine Pausen einlegen.“

#10: Welche Nachteile haben Online-Bewerbungsgespräche?

Gespräche mit Bewerbern, die am Bildschirm stattfinden, haben aus Sicht von Scheller nicht nur Vorteile. Dem Recruiting-Experten zufolge sind das die drei größten Nachteile:

  1. Bewerber können Arbeitgeber nur in reduzierter Form kennenlernen: Am Bildschirm bekommen Bewerber nur einen kleinen Ausschnitt des Betriebes zu sehen. Wie es dort zum Beispiel riecht, welche Möbel es gibt und welche Atmosphäre dort herrscht, lässt sich nicht erkennen.
  2. Technische Hürden: Fehlt eine stabile Internetverbindung oder hakt es mit der technische Ausstattung des Bewerbers, hat das Auswirkungen auf den Gesprächsverlauf. „Arbeitgeber müssen hier aufpassen, dass sie das nicht zu Lasten des Bewerbers überinterpretieren“, warnt der Persoblogger. Sein Tipp für Unternehmer: „Fokussieren Sie sich, worauf es bei der ausgeschriebenen Stelle wirklich ankommt. Spielen dabei digitale Kenntnisse nur eine untergeordnete Rolle, legen Sie ihm oder ihr das auch im virtuellen Gespräch nicht negativ aus.“
  3. Arbeitsproben kaum möglich: Bei Bewerbungsgesprächen müssen Handwerker oft unter Beweis stellen, was sie technisch drauf haben. „Handwerkliche Arbeitsproben sind bei virtuellen Gesprächen aber schlecht möglich“, sagt Scheller.

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Stefan Scheller

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